Nein, nicht Corona, sondern…

… einfach nur eine geschlossene Wolkendecke ist schuld daran, dass der Mars nicht zu sehen war. Immerhin steht er heute in direkter Oposition zur Sonne, leuchtet deswegen besonders rot und ist so nah an der Erde, wie erst in 37 Jahren wieder. Da hab ich mal kurz nachgerechnet und festgestellt, dass es doch ziemlich unwahrscheinlich wäre, ihn noch einmal so nah zu sehen. Auf der anderen Seite – vielleicht klappt’s ja morgen oder übermorgen oder gar in drei Tagen. Bei Entfernungen, die in Lichtjahren gerechnet werden, sollten ein, zwei Tage nichts ausmachen. Denkt man, wird man sehen.

Ein Beispiel von wirrem Durcheinander und…

… und Dynamik. Heute sollte eigentlich unsere Reise in den Bayerwald starten. 50 Jahre Nationalpark – fünf Jahre Entdeckertouren. Ein sehr schönes Programm mit viel Natur, dem Falkenstein, Rachel und Lusen, Nationalpark-Rangern und so manchem mehr. Aber die Zeiten sind nicht normal und drunter und drüber ist allüberall präsent in diesen Coronatagen. Tja und dann kommt´s eben so. Alle sind in heller Vorfreude, dass wenigstens diese Reise stattfinden kann. Aber hoppla, denn vier Bezirke in Berlin sind plötzlich Risikogebiet mit Beherbergungsverbot in Bayern. Ok, aber ein Teil der Berliner Gäste kommt eben aus keinem der vier Gebiete. Die amtliche Verfügung und Liste der Risikogebiete der Bayerischen Regierung ist im Amtsblatt bis 14.10. festgesetzt. Donnerstag Abend steht der Landkreis Regen und damit unser Standort auf der Kippe zum Risikogebiet, das Frühwarnsystem greift, erste Corona-Maßnahmen werden erlassen. Aus Frankfurt sind Teilnehmer gemeldet, aber Frankfurt ist ebenfalls auf der Kippe zum Risikogebiet. Die Teilnehmer aber sind mit Wohnsitz und langem Aufenthalt in München, sie könnten also anreisen. Who knows? Am Freitag morgen ist gesamt Berlin Risikogebiet. Gut, dass wir, vorbildlich am Amtsblatt und an Dehoga orientiert, kurz zuvor den Teilnehmern aus Berlin versichert haben, dass ihr Bezirk ok ist (große Freude) und dass Frankfurt/München ebenfalls kein Thema sein sollte. Aber plötzlich ist der 14.10. kein Thema mehr, denn gleichsam über Nacht wird die Verfügung gekippt, der 14. 10. ist aufgehoben. Gesamt Berlin ist Risikogebiet, Berlin darf nicht kommen. Frust!!!! Wo bleibt die Reisefreiheit? Dann also mit einer verkleinerten Restgruppe? Auch nicht schön. Jetzt ist Samstag morgen, die restlichen Teilnehmer würden aber doch gerne anreisen, ihr Infostand ist noch vom Freitag. Leider jedoch ist aber inzwischen Samstag morgen, und der Landkreis Regen und damit unser Standort hat die magische 50er Inzidenz-Marke deutlich überschritten. Ok, jetzt ist es inzwischen schon fast egal, am Samstag späten Nachmittag, sage ich nach kurzen Telefonaten zwischen Zwiesel und München die ganze Reise ab. Es geht nicht und es ist damit die elfte von elf Reisen in diesem Jahr. Heute, Montag, morgen ist München über die 50er-Marke gesprungen. Zwar heißt es, dass Bayern innerhalb Bayerns trotzdem beherbergt werden dürfen, aber hätte das auch für Frankfurtbayern gegolten und was ist, wenn der Zielort ein Risikogebiet ist? Müssen die Teilnehmer einer innerdeutschen Reise dann zuhause in Quarantäne? Wohl ja. Müssten wir als Veranstalter gar noch die ausgefallenen Lohnkosten tragen? Geht´s noch? Die Entscheidung abzusagen, ist absolut richtig. Aber alles ist ein so heil- und planloses Chaos. Wenn keiner den Weg weiß, kann bekanntlich jeder führen.

Beherbergungsverbot – also nichts mit Lusen, Rachel, Falkenstein. Der gesamte Planungsaufwand ist zum Teufel, die Werbekosten, die letzten Tage, die bestimmt waren von Inzidenzmarken und Amtsblattlektüre, von endlosen Gesprächen mit den Kunden, unserem Gastgeber und unseren internen Abstimmungen und Wasserstandsmeldungen. Großer Frust bei den Kunden, Wochenende versch…, Partner vor Ort gefrustet, die blockierten Zimmer waren für die Katz, Ausfall, Mietwagen zurückgegeben, Storno bezahlt, den Rangern abgesagt, die kommende Woche umorganisiert und…und…und… Inzwischen haben wir schon Übung in diesen Dingen, aber so ganz läppisch ist das alles nicht mehr.

Um eines klarzustellen, ich bin der Ansicht, dass wir auf veränderte Situationen reagieren müssen und dass wir als Veranstalter, aber auch als Kunden, in Zukunft alle flexibler agieren sollten. Das erfordert die Situation, vor allem wenn wir verantwortungsbewusst die Lage meistern wollen. Das tun wir auch durch die Bank alle gerne und wir alle sind erprobt in schwierigen Situationen und haben auch eine Ahnung von verantwortungsbewusstem Reisen. Unsere Kunden bei den Entdeckertouren haben in diesem Jahr großes Verständnis und große Geduld bewiesen und uns deutlich gezeigt, wie sehr sie unsere Arbeit schätzen. Das weiß ich mehr als zu würdigen und ich bin ihnen dafür auch sehr verbunden. Diesem Durcheinander und dieser Dynamik jedoch etwas entgegenzusetzen, ist schier nicht möglich. Da hilft auch keine buddhistische Ruhe und Kontemplation.

9 von 10 sind…

…eigentlich doch ganz gut, oder? Neun von zehn Rotweinen, die nicht korken, das ist ordentlich. Neun Rosen geschossen bei zehn Schüssen auf dem ( heuer ausfallenden Oktoberfest) – man würde sagen Respekt. Auch wenn ich keine Pilze esse, aber in dieser Saison wären neun Steinpilze von zehn gefundenen Pilzen durchaus drinn. Und bei neun von zehn richtigen Kreuzerln gäb es sicherlich irgendwo auf der Welt beim Lotto einen Haufen Kohle. In dem Fall ist aber Portugal die neunte abgesagte Reise von zehn Touren in diesem Jahr. Das Reisewarnungen-Bingo ist nicht mehr kalkulierbar. Mal sehen, was kommt. „Schlimmer geht immer“ oder „alles wird gut, nichts wird besser.“ Deswegen heißt es Kopf hoch und auf ins nächste Jahr, denn wer nicht nach vorne schaut, rennt sich das Hirn an. Jedenfalls laufen die Planungen schon auf Hochtouren, aber wie gesagt, „nix is´ fix.“ Der Rettungsring jedenfalls ist schon mal platziert und Portugal und Atlantikwandern für den April gesetzt. Und Matera? Keine Sorge – auch hier sind wir schon auf der Spur und freuen uns auf den Mai 2021. Und Georgien, mon amour? Auch hier sind wir mit zwei Terminen vertreten. Also man sieht, die Weichen sind schon mal gestellt.

Und dazwischen gibt es auch noch paar ganz feine Schmankerl. Im Februar bieten wir zum ersten Mal eine aktive Winterreise mit Genusslanglaufen an.

Und auch sonst wird 2021 durchaus aktiv. Zum Beispiel mit einem „Best of Alpe-Adria-Trail“, zehn Tage mit feinem Essen und Gepäcktransport. Drei Länder, drei Alpenregionen. Also bitte nicht den Reisemut verlieren, wir tun es auch nicht.

Traum und Wirklichkeit liegen…

…bei einer Bergtour oft dicht beieinander oder eben des einen Leid ist des andren Freud. Aber so eindrucksvoll wie gestern auf der Zugspitze erlebt man diese gegensätzliche Symbiose selten. Auf unserem Anstieg waren wir doch weitgehend unter uns. Der „große“ Pulk der jungen, schnellen Steiger hatte uns schon auf dem Weg zur Hütte überholt, weswegen wir in aller Ruhe uns dem Klettersteig widmen konnten. Der Name der Route?🤔

Das Wetter, die Tour, der Anstieg, die Hütte, der Klettersteig – eigentlich alles wie im alpinen Bilderbuch, wie man eindeutig sehen kann.

Nur, wenn man oben dann am Grat ankommt, zerstäubt die Bergromantik wieder etwas, angesichts der Scharen und Kolonnen. Aber das war zu erwarten, auch wenn man gehofft hatte, dass nicht… Ein kluger Kopf kann trennen und sich der schönen Momente erfreuen, die er erleben durfte. So ein Erlebnis darf man sich nicht verwässern lassen. Das will man bei den Bergen nicht und auch nicht beim Bier.

Aber trotzdem, mir ist die hölzerne Variante lieber, als Stahl, Glas und Beton. Vor allem in den Bergen.

Und wenn das Münchner Haus voll ist und man Schlange stehen muss, wie am Gipfel (wer braucht an so einem Tag noch so was ), geht man eben zur Tiroler Seite und trinkt ein Stiegl statt einem Hacker. Und auf die depperte Gipfelschlange hat sowieso keiner Lust 🤦🏼‍♂️

Leipzig und die Gebrüder…

…Grimm haben, sieht man einmal davon ab, dass ein Leipziger Verleger die Brüder bat, an dem deutschen Wörterbuch zu arbeiten, nicht so wirklich viel gemeinsam. Trotzdem hält man in Leipzig das Andenken an die Brüder und ihre Märchen hoch – vor allem an Rotkäppchen 🥂🍾

Sackgasse Leipzig…

…kann man angesichts dieser ins grüne Nichts führenden Gleise denken. Tatsache aber…den Kopf um 90 Grad gedreht, steht man vor einer der absoluten architektonischen Highlights, die es gerade in Deutschland zu sehen gibt. Kein Geringerer als der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer, der Architekt von Brasilia, hat diese Sphere entworfen. Post mortem wurde sie fertiggestellt und wartet jetzt in Leipzig auf die Eröffnung. Ein Stararchitekt entwirft eine Betriebskantine für die Kirow-Werke in Leipzig. Starke Sache. Die Kantine ist morgen offen und deswegen bin ich morgen dort. Ein Muss, wenn man in Laipzsch weilt…

„Dann steig doch aus, du…

…Depp!“ möchte man am liebsten dem Mitfahrenden ins Gesicht schleudern. „Würden Sie bitte Ihre Maske richtig aufsetzen.“ In den vollen Kabine ältere Wanderer, Kinder, Schwangere. Volles Schutzprogramm und eigentlich ist Rücksicht ja das Thema. Jeder darf von Covid und Schutzmasken halten was er mag. Das ist eben Meinungsfreiheit. Aber Meinungsfreiheit ist nicht zwingend Handlungsfreiheit und nicht jeder, der etwas „anderes empfindet“, darf einfach nach seiner Meinung handeln, zumal wenn es auf Kosten der Anderen geht. Ob nun die platte Geschwindigkeitsbegrenzung oder Maske: es gelten Regeln und die gelten für alle. Glaubt man, aber eben nicht bei Coronoa und deswegen geht es auch sofort aggressiv los. Die üblichen Tiraden. „Informieren Sie sich doch erstmal, die Maske bringt überhaut nichts, Freiheitsberaubung, Unverschämtheit, Gängelung, Grundrechte…“ – eigentlich so die ganze Blabla-Palette der Covidioten in komprimierter Form. Am besten sollten wohl alle aussteigen, damit einer maskenfrei hochfahren kann. Deswegen ist man ja wahrscheinlich auch eingestiegen, um das abzubekommen. Vier Minuten dauert die Fahrt auf den Herzogstand, 15 Euro bezahlt jeder für rauf und runter. Die Aussicht ist phänomenal an diesem wunderbaren Tag. Eigentlich alles paletti und kein großes Problem, wäre da nicht dieses ignorante Gezeter. Aber das ist eben so in einer kommunitären Gesellschaftsform – da haben auch Covidioten ihren Gondelplatz. Ist schon ok, alle anderen 25 – 30 Fahrgäste ziehen ihre Masken hoch und schauen zur Gondel raus. Diskutieren bringt eh nichts und versaut nur die Aussicht. Wie heißt es so schön – dbddhkpsav…(dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen…) Das Gondelpersonal hält sich ebenfalls raus aus der Diskussion. Das haben sie wahrscheinlich Tag für Tag und wahrscheinlich ist ihnen die Aussicht auch lieber als die Aussicht auf vier Minuten Bla, bla, bla…