…ruhig und still in Pashupatinath und die sogenannten „Heiligen Männer“ noch nicht in großer Zahl aufgetaucht, denn in Allahabad wird das heiligste Fest der Hindus gefeiert, die Kumb Mela. Da sind natürlich auch alle heiligen Männer vor Ort. Aber es geht das Gerücht, dass ab morgen der Strom der Sadhus in Richtung Nepal zunehmen wird. Sie kommen mit dem Bus, zwei Tage dauert die Fahrt, bis sie in Kathmandu ankommen, um hier die Nacht Shivas zu feiern. Die Polizei streift schon mal verstärkt durch den heiligen Bezirk und übt sich im small talk mit den babu ghis, die ihnen leicht grinsend freundlichst antworten. Ganja oder Cannabis ist für die sadhus in dieser Nacht zu Ehren des großen Mahadev Shiva unabdingbar, aber es wird behauptet, das das unabdingbare Haschisch dieses Jahr nur mit Sondergenehmigung konsumiert werden darf. Nice idea, ein sadhu geht aufs Amt… Ich denke mal, das wird die heiligen Herren wenig kümmern. Smoke get’s in the air…
Und wenn wir schon bei den eher ungewöhnlichen Themen sind, auch Kathmandu hat eine andere Szene und eine andere Spielwiese, als nur alte Hippies und müde Bergsteiger, ruhelose Backpacker und ruhezentrierte Yogafreaks. Sich mal ganz gemütlich einenDeink gönnen, mitten im Trubel der Altstadt? Warum nicht. Allein der Eintritt in den Keiser Garden kostet schon mal 200 Nepali Rupie und da ist noch nichts im Glas. Nun gut, würde man sagen, 200 Rupie ist nicht die Welt, aber in Nepal eben für viele schon. Da ist es sogar manchmal weitaus mehr als ein Tagesverdienst. Wir sprechen hier von einem Euro fünfzig. Bei einem Jahresdurchschnittseinkommen von 290 € oder einem Wochenlohn von fünf Euro fünfzig, sind das zwei Tage Lohn. Bei uns sind es 4850 € in den alten und knapp 3800 € in den neuen Bundesländern, pro Monat. Da sind dann natürlich ein Eurofuffzig auch kein Thema. Kann man ja mal so zur Kenntnis nehmen und einfach zufrieden sein, mit dem was man hat. Such ohne Keiser Garden.
Also hab ich mir den Drink gespart, war sowieso nichts los…
…aber irgendwie stylish ist es schon hier. Vielleicht beim nächsten Mal.
… an absolutely great job. Mr. Shakya (left) is the senior advisor, Mr. Shresta is the construction manager and the good soul for the reconstruction of the Kastamandapa-Temple in Kathmandu, Durbar Square. For the rebuild they refused modern aid like a crane or an excarvator, everything is done in the old tradition. Even the consolidation of the ground was done by handwork. They used as much as possible of the old material, so one of the main construction columns is from the old temple, the others were brought from Terai. Of course it is hard timber, Sal. Not even a single nail should be used and if the flow of money and so far the flow of material is going on further without complications, they hope, that their work will be done within one year or one and a half year. But anyhow, the main aim is to keep the soul and the spirit of this wonderful old temple and to build an bridge for the eternal soul of Kathmandu, to find a new home in the new old building.
Anyhow, the wheel of life is not only made for human beings, but also for all the other phenomenons in our simple structured world. Even temples have more then one life. So thanks to Mr. Shakya and Mr. Shresta – I don’t know, if someone ever mentioned them within the last four years after the earthquake – the inner soul of Kathmandu will survive and Kastamandap will be one of the treasure boxes. Dhanyabad!
Knapp fünf Jahre später, da hat sich augenscheinlich noch nicht soviel getan. Aber wir in Europa kennen das ja, da ist ein fürchterliches Erdbeben wie etwa im Apennin und ganze Dörfer liegen in Schutt und Asche oder etwa wie im Friaul, wo nach 30 Jahren das Provisorium immer noch der Alltag ist… Betroffenheit, ernste Politikerworte, eine kleine Spendenwelle und dann kommt schon das nächste wichtige Betroffenheitsereignis. Der FC Bayern verliert, Florian Silbereisen trennt sich, es regnet, statt dass es schneit und…und…und…aus den Augen, aus dem Sinn. Aber macht es überhaupt Sinn, dann an solche Orte zu kommen? Unbedingt, denn die Menschen dürsten nach Aufmerksamkeit, sie sind stolz auf ihre geschafften Leistungen, und sie wollen eins, nicht vergessen werden! Und das haben sie auch nach all dem Leid verdient und gerade jetzt ist es besonders wichtig. Und jetzt mal ganz ehrlich, wer hierher kommt und meint, Nepal ist ein Billigreiseland, alles müsse doch wegen der kaputten Infrastruktur noch einmal billiger werden, die sowieso schon seit Jahrzehnten gedrückten Preise müssten runter, der möge doch bitte einmal in den Spiegel schauen und sich fragen, meine ich das ernst? Nepal ist ein wunderbares Land, vor allem nach diesem Beben, von dem wir so viel lernen könnten, wenn wir nur wollten.
…ist wie Heimkommen. So ist es zumindest in meinem Kopf, seitdem Karin aus W. einmal diesen wunderbaren Satz geprägt hat. Er ist fest verankert, geht garnicht nicht mehr raus. Und wie ist es, wenn man so heimkommt und vieles noch in Unordnung ist, weil ein großes Erdbeben alles durcheinander geschmissen hat, vertraute Tempel und Pagoden einfach verschwinden ließ, den Menschen einen vielleicht nicht sichtbaren, aber doch spürbaren Respekt vor der Naturgewalt eingeimpft hat? Genau so: Ankommen in Nepal ist wie Heimkommen. Und wer sagt, dass, wenn man schon wirklich einmal heimkommt, alles nach außen hin perfekt sein muss? Die Zeit ist ein großer Wandler und Verwandler. Sie ist uns immer einen großen Schritt voraus, wir folgen ihr mit einem hinkenden Bein und hechelnd hinterher und dies meist mit einem hastigen, immer wieder zurückgerichteten Blick. Dabei sagen in vielen Kulturen die Schamanen, dass man nicht zurückblicken soll. Von hinten droht die Gefahr der Dämonen und der bösen Geister…wie bei uns!
Wo einstmals über viele Jahrhunderte der Kastamandapatempel stand, steht heute dieses künstlerisch anmutende Baugerüst. Auf einer Biennale wäre es der Renner. Irgendwann, vielleicht irgendwann einmal, wird hier wieder ein Tempel stehen, der so aussieht, als wäre er der Kastamandapatempel. Der Tempel, der der Legende nach aus dem Holz nur eines Baumes errichtet wurde, der Tempel, an dem sich heute die Shivajünger und Asketen getroffen hätten, der Tempel, der vielleicht sogar Kathmandu seinen Namen gegeben hat. Jetzt ist dieser Tempel und der vom Erdboden zerstörte Platz immer noch Baustelle, ein Planungsobjekt. Nur mit viel gutem Willen kann man diesem Bambusgerüst so etwas wie Hoffnung abgewinnen. Aber es wird so sein. Die Zeit ist ein großer Wandler, vielleicht werden Lichtjahre vergehen, bis dieser Platz wieder seine urkräftige Würde wiederfinden wird, aber es wird so sein…da bin ich mir sicher!
Man muss schon die Kraft einer kleinen Ratte haben, um den großen, so schwergewichtigen, elefantengestaltigen Gott Ganesh durch die Zeitalter und Weltalter zu bewegen. Vielleicht wussten die klugen Baumeister des Kastamandapatempels und des benachbarten Ganesh-Schreins vor vielen Hunderten von Jahren bereits, dass sie einmal die gewaltige Kraft der kleinen Ratte brauchen, um nahezu Unmögliches zu bewegen. Wahrscheinlich haben sie sich deshalb so viel Mühe gegeben für diese kleine Plastik. Aber ihr traut man es einfach zu, dass irgendwann einmal das Problem spitznasig gemeistert ist und uns im Nachhinein nur noch als eine kleine Wirrung der Zeit erscheint. Schnee von gestern würde man bei uns sagen. Trotz Erdbeben kommen die Menschen, egal ob jung oder alt, hierher und streichen der Ratte liebevoll über die blankpolierte Nase. Damit trotzen sie ganz nebenbei unserem westliche Verständnis von Zeit und Vergänglichkeit, von Tradition und momentan anscheinender Wirklichkeit. Für die Menschen, die der Ratte über die Nase streichen, ist auch der zerstörte Kastamandatempel noch da. So ein Ort verliert seine Kraft nicht, nur weil ein paar Balken eingestürzt sind…
…könnte man meinen, bei diesem dichten „Strassenbelag“ aus Wasserhyazinthen. Während zuhause der Frost klirrt, blüht und gedeiht es hier in den Kerala Backwaters. Der Frühling ist in vollem Anmarsch und nach dem letzten Vollmond, an dem man Shiva, Parvati und der Familie gedachte, hat sich auch das Wetter noch einmal schlagartig geändert. Es wird warm, sehr warm. Von den höheren Lagen mit den Teeplantagen auf rund 1000 Metern bis hinunter zu den Wasserstrassen der Backwaters – die Temperaturen steigen deutlich. Fein.
Der Vebanaad-See ist mehr als vier Mal so groß wie der Bodensee, dazu kommen Tausende von größeren und kleineren Wasserstrassen. Es ist ein schier unüberschaubares Labyrinth, durch das wir uns mit dem Boot hindurchschlängeln, begleitet von Kormoranen, Reihern, großen und kleinen smaragdfarbenen Eisvögeln, und vor allem von der Freundlichkeit der Menschen. Wie traurig wäre doch diese Welt, wenn wir diese Begegnungen nicht mehr hätten. Jeder für sich… eine gruselige Vorstellung. Indien ist Indien ist Indien und nirgendwo so strahlend herzlich wie in Kerala. Also stimmt es eben doch: #lifewithoutindiaisnotpossible
…Meter, es sind die größten und bekanntesten Teeplantagen im südlichen Indien. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hier folgt christlichen Religione. Syrisch-orthodox, katholisch, anglikanisch. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Plantagen kommen meist aus dem benachbarten Tamil Nadu, das stark hinduistisch geprägt ist und deutlich ärmer als das für indische Verhältnisse reiche Kerala. Deswegen wirken auch auf die meisten Bewohner von Munnar die religiösen Zeremonien und Praktiken, die zu Ehren des Gottes Shiva und seiner Gefährtin Parvati am Vollmondtag von den vorwiegend aus Tamil Nadu stammenden Hindus abgehalten werden, etwas befremdlich. Vielleicht liegt es ja auch an meiner katholischen Jugend, aber auch ich kann dem Trance geschuldeten Schmerzensweg mit Haken im Rücken und Pfeil durch die Wangen wenig abgewinnen…
Für die Schüler ist es immerhin eine willkommene Unterbrechung des Schulalltags und vielleicht auch ein gutes Beispiel dafür, dass Bildung der Geundstock sein kann, für einen Weg in eine aussichtsreichere Zukunft.
So malerisch und harmonisch schön uns auch die Teelandschaft von Munnar anmuten mag, das Pflücken der Teeblätter ist Handarbeit und mehr als nur ein Knochenjob. Alles ist eigentlich wie vor Hundert Jahren unter den Engländer und damals war das Leben alles andere als heiter. Das wissen auch die Schülerinnen und Schüler. Teepflücken ist keine Zukunft.
…und noch einmal besuchen wir die ein oder andere location wie etwa das Pepperhouse. An der verwirrenden Skyline aus surrealen Gebäuden hat der Künstler 26 Jahre gearbeitet. Der Blick durch die Frontseite des rund 15 Meter langen Glaskastens eröffnet eine gespiegelte Silhuoette einer abstrakten Stadt. Die drei Schmerzensmänner hingegen entstammen der portugiesischen Periode aus dem 16 Jhd. und sind kein Teil der Biennale, sondern einfach Exponate in einem Antiquitätengeschäft. Aber irgendwie passen sie einfach dazu…
Bei all dem künstlerischen Input lobe ich mir aber auch manchmal die Vielfalt der Natur, wie hier der Korb mit fangfrischen Tintenfischen…
Und weil wir in Indien sind und nicht nur auf einer Kunstreise, ist es auch mal ganz erfreulich, zum Shivatempel zu gehen. Vor allem wenn so wie hier ein großes Tempelfest gefeiert wird. Die Mischung macht’s…
…der Kochi Muziris Biennale oder nur Herr Suresh’s kleiner Ruhm. 2016 wurde den Wäschern von Kochi, deren Waschstation noch auf die Zeit der Engländer zurückgeht, ein zu Recht kleines künstlerisches Denkmal gesetzt. Herr Suresh wurde stellvertretend für alle Dhobi-Wäscher mit einem großen Wandgemälde geehrt, denn wo einstmals britische Uniformen per Hand gewaschen wurden, wird jetzt immer noch per Hand gewaschen, nur eben für Hotels und gut situierte Inder. Der gleiche Job unter neuen Herren. Inzwischen ist diese Wäscherei, in der die harte Arbeit noch ohne Waschmaschine und nur von Hand gemacht wird, eine kleine Touristenattraktion. Man sieht zu, wie Indiens schmutzige Wäsche gewaschen wird. Wie schräg ist das denn? Als gäbe es nichts anderes zu empfinden. Herr Suresh, dessen Sorgen eher weniger in der Adaption moderner Street Art liegen, war trotzdem so freundlich, sich für dieses Doppelportrait ohne großes Trara zur Verfügung zu stellen. Ein bißchen Stolz, ein bißchen Genervtsein – das steht im zu, denn davon kann er nicht abbeißen. Und trotzdem ist es ein starker Moment der Kochi Muziris Biennale, so dicht an den Menschen vor Ort zu sein. Ganz im hintersten Eck dieser skurilen Weißwäscherei arbeitet auch eine kleine, sehr dunkelhäutige, 75 jährige Dame aus Tamil Nadu. Seit Jahrzehnten wäscht und bügelt sie hier schmutzige Wäsche der besseren Welt. Auch sie wäre wohl ein bewegendes Motiv gewesen, aber der Respekt vor ihrem einfachen Leben und ihrer alltäglich über die Jahre hinweg immer mehr als harten Arbeit verbieten es, ein Bild von ihr zu machen. Dank an Herrn Suresh, der mit seiner Geduld den Dhobis von Kochi ein Gesicht gegeben hat.
Ein ganz großes Kunstwerk der Natur sind auch diese Japanische Laterne oder der gefranste Hibiskus, der ein paar Straßenecken weiter vor sich hinblüht oder die Blüten des Kanonenkugelbaums, die auf die Strasse purzeln. Ohne große gärtnerische Pflege, einfach so…
…was wir in Kochi lernen können zu verstehen. Das große Schlagwort unserer Tage ist sicherlich Eurpoa und der Eurozentrismus – im Alltag und der Kunst und im Alltag. Heute, an dem Tag, an dem Great Britain sich in eine Kolonie verabschiedet, kräht in dem Land, das einstmals größte Kolonie war, kein Hahn. Rule Britannia ist zunächst einmal kein Thema. Warum auch in einem Land, das viel größer, weiter und gänzlich anders ist als unser geschätztes und geliebtes Zuhause. Aber, hatten wir diese Kategorien, dies Denkschachteln, nicht hinter uns gelassen? Waren wir nicht soweit, auf ein neues und zukunftsweisendes „Miteinander“ zuzugehen?
Ein „non alieted life“, ein nicht entfremdetes Leben, ist das nicht auch bei uns ein ständiges Thema? Während wir uns um Alexa oder sonstige digitale Wohlstandssorgen kümmern, sind es in diesen Ländern sehr bodenständige Probleme. Die Freiheit der Meinugsäußerung, der alltägliche Kampf ums Überleben, die Sehnsucht nach Freiheit…
Sailors of the Malabar Coast
In Kochi auf der Kochi Muziris Biennale zeigt sich, wie weit wir doch voneinander entfernt sind. Welten entfernt in einer Welt. Gruselig. Da sind sind diese Empathie und die politische Klarheit auf dieser Biennale sind ein Dampfhammer und eine Lehrstunde! Wo sind bei unseren neuzeitlichen Malaisen unsere Antworten? Puffffffff… da bleibt nichts übrig, würde ich nun mal sagen. Kunst für die “ Happy few“ ist gruselig. Ob nun die künstlerische Qualität, Originalität, Vision hier in Kochi immer ganz vorne stehen mögen, darüber kann jeder gerne für sich nachdenken. Hier in Kochi auf der Kochi Muziris Biennale aber wird eines klar: Es ist eine große Biennale für Menschen und es gilt: „So nicht: good old western world – behave yourself!“
Die Exponate sind emotional, ergreifend, dicht – machmal atemraubend. Was soll man noch sagen über eine chinesischen Künstler, der familiäre Nähe zum Thema macht??? Körperliche Nähe ist in der Familie ein Tabu und in der Video-Installation streicht der Künstler sanft über“clips“, die Aufnahmen seines Vaters zeigen. Mag sein, dass es etwas zu emotional ist, mag sein vielleicht kitschig – nein, es ist echt. Und damit tun wir uns schwer zuhause..
… oder die Rikshafahrer, denen es in Vietnam verboten wurde, ihrem Beruf nachzugehen und die jetz für diese Installation unter Wasser weiterstrampeln. Wie viel müssen wir noch sehen, um zu sehen, dass das, was wir bei uns zuhause sehen, nicht die Welt ist…
Vor ein paar Jahren gab es hier einmal einen Beitrag über Frauen im Iran, die nur eine verwerfliche Sache machen… singen…und dann das, ein Wehklagen, das keiner hört, das im Nichts seine Stimme erhebt. Respekt!