Manors – der stilsichere Genuss…

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…Baltisch-deutsche Adlige lebten durchaus mit Stil und Komfort. Einige der herrschaftlichen Güter sind restauriert und zu noblen Herbergen umgestaltet. Ein Höhepunkt sind die drei Landgüter Palmse, Sagadi und Vihula im heutigen Nationalpark Lahemaa, rund 80 Kilometer östlich von Tallin. Palmse geht zurück bis ins 13. Jahrhundert, das einstmals deutsch-baltische Anwesen bietet neben feudalen Gutsherrenprunk auch eine eigene Brennerei. Schließlich verdiente man in gutsherrlichen Zeiten sein Geld mit Kartoffeln und Wodka für Russland. Sagadi datiert zurück bis ins 14. Jahrhundert. Im Gutsrestaurant findet sich neben traditionsreicher estnische Kost auch Bärensteak. Der Höhepunkt aber ist definitiv das Landgut Vihula. Eine Nacht im weitläufigen Anwesen, der Bummel durch den Park und am Abend ein delikates Menü. Vihula Manor verfügt über eines der besten Fine-Dining Restaurants in ganz Estland. Stilecht befindet sich das Restaurant im ehemaligen Ballsaal des neuen Herrenhauses. Es ist aber noch Platz nach oben!
Auf der Insel Muhu (Mohninsel), eine der 1517 Inseln vor Estlands Ostsee, welche die Balten Westsee nennen,  wartet Pädaste Manor – Estlands einzigartiges Hideaway Resort. Der Holländer Martin Breuer und der Este Imre Sooäär übernahmen 1996 das historische Landgut, das seit den 80er Jahren leer stand. Heute ist es als Resort & Spa zum Tophotel im Baltikum aufgestiegen. Das Restaurant Alexander (im Winter als Alexander´s Cheftable in Tallin) ist die Nummer fünf im Baltikum. Immerhin im  Paketpreis inklusive Übernachtung und Dinner ab 170 € pro Tag zu haben. Wer den feinen und auch preislich gehobenen Abend scheut: Es gibt auch ein Tagesrestaurant! Ein Erlebnis der anderen, einfacheren Art ist das nur wenige Kilometer entfernte Restaurant Nami Namaste der finnischen TV-Journalistin und Kochbuchautorin Sikke Sumari. Das Landhaus, in dem sogar schon der Präsident Estlands nächtigte, ist kein Palast, sondern ein stilvoll renoviertes Bauernhaus mit charmant einfachem Luxus. Und die Küche ist ein Gedicht der Frische. Sikke ist mit ihren Kochshows im finnischen TV eine Berühmtheit. Unterstützt wird sie im Sommer von dem Holländer Albert Veenendaal. Gemeinsam präsentieren sie traditionelle estländische Küche mit italienischem Input. Aus dem eigenen Garten, immer alles frisch und mit viel Ruhe zubereitet.

Riga rigoros…

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…von Muhu sind es über Pärnu rund 250 Kilometer bis in Lettlands Hauptstadt Riga. Auch hier dominiert in der Altstadt das Mittelalter. Doch diesmal ergänzen sich die finsteren Mauern mit viel feinem Jugendstil. Rigas Jugendstilviertel rund um die Alberta iela gehört zum Feinsten, was Europa an Jugendstilarchitektur zu bieten hat und kann sich mit Paris oder Prag messen. Rund um die fein verzierten Bürgerhäuser lohnen gehobene und feine Genüsse. In einer Jugendstilwohnung residiert der exklusive Schuhladen Madam Bonbon, direkt daneben der Tabakladen Alberta´s Pipe Salon, in dem man edelste kubanische Zigarren und teuren armenischen Cognac genießen kann. Nur zwei Straßenecken weiter liegt das Beste aller guten lettischen Restaurants, das Vincents. Es war 2018 die Nummer zwei im Baltikum. Im Gästebuch des Vincents findet man US-Präsident Georg Bush, Prinz Charles und Elton John. Wem dies zu edel ist, dem seien ein paar andere kulinarische Erlebnisse empfohlen: Das 3 pavaru restorans an der Torna iela serviert feine Kost mit einem kulinarisch künstlerischen Tischgemälde. Danach sollte man ins Café Rienzi gegenüber dem Hotel Steigenberger wechseln, um Kokos-Mandel- oder Blaubeertrüffel probieren. Die Bäckerei und Konditorei Rigensis in der Tirgonu iela vereint traditionelle lettische Brotkunst mit feinsten Hausmachertorten. Rigas Markthallen hinter dem Bahnhof sind ein Muss für jeden Foodie. Und wenn man einmal richtig gut und einfach baltisch-russisch essen will, dann gibt es nur eins, das Pelmeny in der zentralen Kalu iela. Es wird in den Bloggs gefeiert, „best place ever!“, und mit bis zu 5 Sternen dekoriert. Eigentlich ist es ja so eine Art Fast-Food-Kette, aber die legendären Teigtaschen, die russische Variante der schwäbischen Maultaschen, sind gebraten oder gekocht, mit Schmand oder Tomaten, ein Gedicht. Der Preis auch, denn mehr als drei, vier Euro wird man hier kaum ausgeben.

Albaniens charmanter Süden

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Im Süden Albaniens, dem Land der Adlersöhne, spannt sich in einem Bogen die weit ausladende Bucht von Saranda. Ein wahres Juwel. Authentisch, herzlich und charmant, mit einer hervorragenden Küche, aussichtsreichen Wanderungen und noch stillen Traumbuchten.

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Der Llogarapass an der Südküste Albaniens schraubt sich bis auf 1027m empor und ist bei klarer Sicht eine fantastische Aussichtskanzel. Der Pass, Grenze und Wasserscheide zwischen dem Adriatischen und dem Ionischen Meer, aber ist oft von Wolken verhangen, was ihm ein seltenes Naturschauspiel bietet. Auf dem Ausläufer des Ceraunischen Gebirges, der seit 1966 auch Nationalpark ist, wachsen Schwarzkiefern und die seltenen, uralten, oft über 1000 Jahre alten  Panzerkiefern. Aber kurz nach dem höchsten Punkt an der Passhöhe reißt die Wolkendecke auf. Wie aus einem Flugzeug fällt der Blick fällt nach unten und folgt dem 1000 Meter tiefer liegenden Küstenbogen bis zur Hafenstadt Saranda, dem antiken Hafen Onchesmos. Aus dem tiefblauen Meer taucht die Insel Korfu auf, Griechenland ist zum Greifen nahe, bei glasklarer Sicht meint man, das italienische Festland auszumachen. In weiten Kurven geht es hinunter zum Küstenort Dhërmi , einem ganz besonderen Schmuckstück im unbekannten Albanien. Viele der Einwohner sprechen hier schon Griechisch, die meisten Menschen sind orthodoxen Glaubens.

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Der Himmel brennt

Man kann es nicht anders sagen, der Himmel brennt. Die Sonne versinkt hinter den Flanken des Llogara-Passes, ein paar letzte Nachmittagswolken haben sich an der Bergkette des Hinterlands verfangen. Es ist ein Wechselspiel von Sonne, Meer, Bergen und durch den Zug der Wolken gemalte Lichtstimmungen. Der warme Wind von Süden und die Silhouette der vorgelagerten Inseln bis hinunter nach Korfu lassen Tropenstimmung aufkommen. Ein Sonnenuntergang am Strand von Dhërmi muss sich nicht vor Sonnenuntergängen in der Karibik verstecken. Überhaupt muss sich dieser wenig bekannte Küstenabschnitt Albaniens nicht mit Minderwertigkeitskomplexen plagen. Führende Tourismusspezialisten von Lonely Planet bis hin zur New York Times haben Albaniens Strände immer wieder gehypt und gemeldet, dass die Buchten und Strände zwischen Llogara und Saranda vom Feinsten sind. Die großen europäischen Tourismuskonsortien sind inzwischen auf dem Sprung.

Aber das verschlafene Dhërmi und die nördlichen Strände sind noch weitgehend verschont geblieben, vor allem in den stillen Monaten. Ein weiter, weiß leuchtender Kiesstrand, ein paar kleine Hotels, eine geschmackvolle, aber nicht übertriebene Bungalowanlage, ein Fischrestaurant mit gestaffelter Terrasse über dem Meer. Wer außerhalb der Hochsaison (Mitte Juli bis Ende August) Zeit und Muße findet, nach Dhërmi zu kommen, wird mit einem sehr ansprechenden Preis-Leistungsverhältnis belohnt. Extremes Strand- und Partyleben darf man dann nicht erwarten, denn vieles erinnert die beschauliche Stimmung und an das ländliche Griechenland vor 50 Jahren. Das hat was und ist schön.

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Wanderungen zwischen Küste und Bergen

Tage am Strand können bekanntermaßen lang werden und so bleibt Zeit, die Region zu entdecken. Die kulturellen Höhepunkte sind überschaubar, reduziert auf wenige erhalten orthodoxe Kirchen und die osmanische Festung des Ali Pascha aus dem frühen 19. Jahrhundert in Porto Palermo. Natur und Tradition aber ist ein großes Thema im  „ Mysterious South“ Albaniens. Unter diesem Slogan nämlich präsentiert sich die wenig bekannte Küstenregion mit ihrem bergigen Hinterland. Mit einfachen Mitteln versucht man im kaum erschlossenen Küstengebirge dem drohend gesichtslosen Badetourismus mit Wanderwegen Kontra zu bieten. In Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit  GIZ wurde ein Netz von Wanderwegen und kleinen Pensionen  geschaffen, um d nachhaltige Tourismusentwicklung zu fördern. In einem offiziellen Download sind die schönsten Wanderwege gut beschrieben, GPS-Daten sind für Mountainbiker und Wanderer im Internet abrufbar. Es funktioniert also. Ohne großen Aufwand machbar ist der neu geschaffene Wanderweg entlang der Küste von Dhërmi  bis Himara. Ein Tagesrucksack ist schnell gepackt, einen Sonnenschutz, genügend Wasser und eine Brotzeit sollte man einstecken, dann kann es auch schon auf den rund 20 Kilometer langen Trail losgehen. Absolutes Highlight dieser Wanderung ist die Bucht von Qipe. Kann eine Bucht recht viel schöner sein?

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Auch oben in den Bergen locken Trekkingpfade und Tageswanderungen mit lohnenden Touren. Neu markierte Trails, den alten Wegen zwischen Dörfern und den Steigen der Hirten folgend, verbinden die trutzigen, hochgelegenen  Dörfer wie Kukes, Terbac, oder das alte Qeparo. Die historischen Ansiedlungen wurden aus Furcht vor Piraten wie Felsennester in die Berge geklebt und gleichen richtigen Aussichtsbalkonen. Problemlos machbar ist die Wanderung von Kudes nach Qeparo, einem verlassenen Dorf oberhalb der Küste. Es ist ein kurzer, etwa dreistündiger, aber umso traumhafterer Trail gen Meer. Am Ende nach einem Wanderbier in der Dorfkneipe wird man mit der gewaltigen Aussicht von der Panoramakanzel Qeparo über den Küstenbogen belohnt. Großes Kino Süden!

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Zitronen und Olivenöl

Spieß, Lamm, Joghurt und Schafskäse. In Albanien braucht es keinen einzigen Tag mit schlechter Küche. Nicht im Norden und schon gar nicht im Süden. Immer ist alles frisch, aus dem eigenen Garten, viel Gemüse, viel frisches Obst, reichlich Joghurt, Schafskäse. In den Bergen Lamm, an der Küste Fisch. Weg mit den Vorurteilen, Albanien ist eine kulinarische Entdeckung.image00027Mit einem kräftigen Schnitt teilt Pano eine Zitrone in zwei Hälften. Der goldgelbe Saft tropft schon bei der ersten Berührung der Klinge mit der Schale am Messer entlang auf den Boden.  Dann klappt Pano die beiden Hälften auf und meint bescheiden, dass Zitronen eben nicht immer nur Zitronen seien. Manche, so wie seine, wären etwas ganz besonderes. Götterfrüchte. Kombiniert mit dem eigenen, schweren Olivenöl, Brot und dunkelroten Tomaten aus dem Garten ist dies allein schon eine Köstlichkeit, die einem Albanien ins Herz brennt. Alles ist selbst gezogen und geerntet, handverlesen und natürlich ökologisch. Qualität ist Tradition und Tradition ist die große Klammer im Herzen aller Albaner.  Während Pano weiter über seinen Garten, die traumhaften Zitronen, das weiche vollmundige Olivenöl und die Tradition philosophiert, kümmert sich seine Frau Marinela um den Grill mit Fisch und geschmorten Paprika. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe sitzen wir in Panos und Marinelas Garten in Qeparo unter der Pergola und schlemmen. Alles ist streng regional nach den Prinzipien von Slow Food und streng am Jahreszeitenkalender orientiert. Es ist einfach und gut, um nicht zu sagen, hervorragend.

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Pano´s und Marinela´s Restaurant „Veranda“ in Qeparo ist ein typisches Beispiel für das neue kulinarische Albanien. Was kein Mensch vermuten würde, wird zum Erlebnis. Albaniens Küche trumpft auf. Ob lokal oder mit internationalem Touch, ob ländlich oder kulinarisch fein kreiert: Es ist eine Lust und ein wahres Genuss, sich durch Albaniens Süden zu schlemmen. Edel und maritim in der Hafenstadt Dhurres, wo man besser italienisch maritim speisen kann als in vielen italienischen Orten, oder gekürt in der Hauptstadt Tirana im Mullixhiu bei Bledar Kola, ländlich rustikal mit Ziege und Schafskäse im Hinterland, üppig mediterran an der Küste. Fisch, Fleisch, Gemüse – alles ist aus erster Hand, aus eigenem Anbau. Das bei uns so hoch gelobte  „0-Kilometer-Menü“ ist hier die Regel, nicht die Ausnahme. Die Achtung und der Umgang mit den einfachen, aber hochwertigen Grundprodukten stecken den Köchen und Gastronomen im Blut. Die Finesse und die Kreativität haben sie in den langen Jahren der Abwesenheit gelernt. In Italien, in Frankreich, wo immer sie auf ihrer Flucht vor Enver Hoxa´s kranker sozialistischer Diktatur gestrandet waren, sind viele der geflohenen Albaner als Hilfskräfte und Köche in den Küchen der Welt untergekommen. Heute setzten sie ihr Wissen um und kombinieren internationale Küche mit lokalem Ambiente. Und das mit großem Erfolg!

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#Polizeiaufgabengesetz oder…

…die Geschichte vom Geldbeutel. Nun denn, heute war ja große Demo gegen das geplante PAG. War leider verhindert, aber die kleine Geschichte, die jetzt kommt, zeigt, wie nötig wir dieses PAG nicht brauchen.
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Eine gute Freundin von mir hat ihren Geldbeutel verloren. Rausgefallen, nicht gemerkt, ein paar Minuten später war er weg. Kommt vor, ist ärgerlich. Natürlich Geld drinn und vor allem Papiere. Ausweis, Karten, Fotos vom Gatten und den Kindern, eben ein richtiger Geldbeutel. Verloren im Landkreis Starnberg. Natürlich ist sie zur Polizei gegangen und tatsächlich gab es ein paar Tage später etwas zu vermelden. Im 50 Km entfernten Dachau wurde ein Geldbeutel abgegeben, auf den ersten Namen ihres Doppelnamens… ob denn das nun… Ok, zur Polizeistelle gegangen, die Sache geklärt. Und meine Freundin, stolze Trägerin eines so weit verbreiteten Teilnahmens wie Huber, Meier, Schmidt… wurde in Dachau fündig. Ihr Geldbeutel war 50 Km weiter da. Ja, meinte man auf der Polizeidienststelle, man habe sie doch verständigt, schriftlich! Doch leider war es die alte Adresse, wie sich herausstellte, denn vor drei Jahren, meinte meine Bekannte, war sie doch umgezogen und hatte sich ordentlichst umgemeldet. Und auf all den Papieren, Ausweis, Führerschein, Fahrzeugschein, stünde doch die neue Anschrift. Wie denn dass sein könne, dass man dann an die alte Anschrift schriebe??? Komplizierte Sachlage. Na ja, sie wollte sich jedenfalls beim Finder bedanken, aber der wollte incognito bleiben. Geld war logischerweise weg, aber all die Ausweise und Papiere waren da. Immerhin. Auf der Polizei meinte man, aus Datenschutzgründen dürfe man den Namen des Finders nicht weitergeben. Ok, nachvollziehbar. Aber so genau nahm man es dann mit dem versprochenen „Finderschutz“ dann doch irgendwie nicht, denn die Polizei hatte seine Visitenkarte in den Geldbeutel gesteckt, handschiftliche Notiz auf der Visitenkarte: Finder:yx…Mit kompletter Anschrift, Telefonnummer usw. Perfekter Datenschutz und wirklich clever, die Jungs. Wenn man bedenkt, dass sollte ja „geheim“ bleiben. Aber vielleicht war an dem Tag viel zu tun. Trotzdem, jetzt war es doch öffentlich oder doch zumindest offenkundig. Im Grunde alles ärgerlich und Pippifax, aber dann doch eben nicht. Die Benachrichtigung an die drei Jahre alte Anschrift, die Anschrift des Finders im Geldbeutel. Aber Hauptsache, alles ist wichtig und streng geheim. Sollte die Geschichte sich wirklich so zugetragen haben – und ich habe keinen Grund zu zweifeln – finde ich (sowieso): es braucht kein neues PAG, wenn man nicht einmal mit dem alten zurecht kommt! Aber wahrscheinlich war sowieso alles ganz anders und „Schmunzel“ “ Gefahr in Vollzug“ und überhaupt kann man bei einem Namen wie Hubermeierschmidtmüller sowieso nicht wissen, und Vorsicht ist besser als Nachdenken… Also weg mit dem Mist von PAG-Wahn!!!

Riga – back again..

…in kürzester Zeit. Knapp drei Wochen vorher die ersten Erkundungen, jetzt noch einmal intensiv und ausführlich. Und wieder fasziniert die Stadt mit ihrer wunderbaren Gegensätzlichkeit. Nicht nur im Nationalmuseum.
IMG_6904So bescheiden und still auf der einen Seite – so lebenslustig und modern auf der anderen. Riga hat einiges zu bieten. Die beiden gegensätzlichen Bilder von jungen Mädchen sprechen wohl für sich. Riga ist flächenmäßig so groß wie München, Lettland so groß wie Bayern. In Lettland leben in etwa soviel Menschen wie in München, ein gut Drittel davon in Riga. Die gefühlte Dichte an wirklich dicken Luxusautos wie Porsche, BMW, Mercedes, Lexus, Tesla, Jaguar, ist gefühlt zwanzig Mal so hoch wie in Bayerns Luxushauptstadt. Bei einem durchschnittlichen Einkommen von rund 800-1000 € keine schlechte Vorgabe.

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Vielleicht sollte man es aber auch wie der junge Richard Wagner machen, der hier mit 24 Jahren die Stelle des Kapellmeisters am deutschen Konzertsaal annahm. Er blieb knapp zwei Jahre, begann mit seiner ersten Oper „Rienzi“, war wieder pleite, flüchtete vor seinen Gläubigern nach London, wurde wohl auf der Überfahrt kräftig durchgestürmt, holte sich die Inspiration für den fliegenden Holländer und nahm auch sonst so einige Inspirationen für das spätere Bayreuth mit. In Riga schenkt man ihm seitdem wenig Beachtung. Der Konzertsaal und sein Wohnhaus sind heruntergekommen und geschlossen. Ich lobe mir das Cafe Rienzi mit den besten Trüffeln nördlich der Alpenhauptstadt. Auch das ist Inspiration.

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Wagner hin, Eisenstein her. Riga ist mit etwa 800 erhaltenen Jugendstilgebäuden die Art-Noveau-Hauptstadt schlechthin. Der Hauptarchitekt war ein Herr Eisenstein, Vater von Sergej Eisenstein (Panzerkreuzer Potemkin). Er durfte sich in Riga so richtig austoben und soll etwa 120 Gebäude entworfen haben. Nicht schlecht für die kurze Phase von vielleicht zwanzig Jahren, in denen hier der Jugendstil blühte. Auf alle Fälle sind es schmucke Gebäude und manchmal bieten sie auch eine schlüssige und überzeugende Symbolik. So verstecken sich neben dem symbolträchtigen Lebensbaum an einer der bekanntesten Fassaden auch eine Eule und ein Eichhörnchen. Nur mit den beiden Tugenden Weitsicht und Fleiß kommt man zu etwas. Zumindest in der alten Hansestadt.

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Und wenn wir schon bei den schönen Dingen des Lebens sind, soll auch die Kulinarik nicht fehlen. Riga, überhaupt die baltischen Länder, überzeugen mit einer fantastischen Küche. Es muss ja nicht immer Neunauge in Aspik sein, ein feines Dessert kann auch lange in Erinnerung bleiben. Die Küche jedenfalls ist jung und frisch. Und es macht viel Spass zu probieren! Der Köchin scheint es offensichtlich auch Freude zu machen, ihre Gäste zu bewirten. So soll’s doch sein!IMG_8577
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Meine Lieblingsbar ist das Cuba Cafe. Eine gute Kneipe mit guter Musik und dem angeblich besten Caipi im ganzen Baltikum.
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Auf alle Fälle lohnt es sich, auch mal ans andere Ufer zu schauen. Etwa nach Kipsala, wo man im Restaurant Osta bei obiger Dame nicht nur hervorragend speisen kann, sondern auch den Blick auf Riga genießen kann. Überhaupt ist es dort recht nett und wie so oft in Riga auch sehr gegensätzlich und sich doch ergänzend. Die alten Holzhäuser, der dörfliche Charakter und das moderne Ambiente bilden einen charmanten Kontrast. Wie gesagt, es sind nur wenige Schritte zwischen den Bildern. Der Oldtimer, der Gott weiß wie lange schon hier vor sich hinrostet, ist ein Buik!

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Und auf die Frage, ob Riga denn nun recht teuer sei, gibt es eine klare Antwort. Kommt drauf an! Schnäppchenjäger können hier durchaus auf ihre Kosten kommen 😊

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Zwischen fernen Zielen…

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…tut es gut, die Nähe zu erkunden. Vor allem an solch einem perfekten Frühlingstag, an dem keine einzige Wolke den Himmel trübt. Es sind ja nur ein paar wenige Tage im Frühling, an denen die Wiesen gerade grün geworden sind, die Löwenzahnblüten in frischem Gelb leuchetn, die Obstbäume anfangen zu blühen und Oberbayern wie gemalt dasteht. Muss man nützen solche Tage. Wenn ich dann so vor mich hinradel gen Berge, die verschneiten Alpen in der heute so nahen Ferne leuchten, kann’s eigentlich nicht besser sein. Und wenn man so die Bilder anschaut, könnte man fast meinen, es wäre ein Urlaubstag. Hat was, daheim. Da kann man sich doch schon mal auf den Sommer freuen. Dauert nimmer lang, dann ist es soweit!
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Baltic spring – Riga rigoros…

… ein anderer Frühlingsauftakt. Statt Bergen Ostsee, statt Biergarten feine Cuisine, statt Barock Jugendstil. Riga hat was. Definitiv. Und das macht einfach Lust auf mehr Meer und mehr Baltikum. Knapp 25 Km von Riga entfernt, lockt an diesem wunderbaren Frühlingstag der schier unendlich lange Strand von Jurmula. Kann man drei Mal die Stunde einfach mit dem Zug hinfahren, kostet 1,40 €, für die Rückfahrt gibt es Ermäßigung. Wäre doch eine MVV-Idee. Die ersten Strandbars jedenfalls haben schon offen, die Sonne scheint…

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Nach all den mittelalterlichen Gildehäusern und Kirchen bringt der Turm der Wissenschaft etwas Abwechslung ins Stadtbild. Auf dem Weg dorthin kommt man über den Zentralmarkt, den wichtigsten Lebensmittelmarkt für Riga. Da kann sich der Viktualienmarkt fast verstecken. Die Auswahl ist riesig – die sind esHallen auch.

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Jugendstil muss sein in Riga. Inzwischen wurden viele der Jugendstilfassaden renoviert. Es ist aber immer noch eine spannende Mischung aus perfektem Styling und postrussischem Charme. Vor allem, wenn man in den ein oder anderen Hinterhof blickt.

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Riga rigoros, so könnte man also durchaus die beiden Tage übertiteln. Denn Überraschungen warten an jeder Ecke in der Ostseestadt. Während die meisten der Besucher sich auf die alte Hansestadt stürzen, mittelaterliches Gemäuer suchen oder dem schnellen Essen mit kräftigem nordischen Bier fröhnen, war der Fokus dieser Entdeckertour eigentlich bei den schönen und empfindsamen Freuden. Wie schon in Estland ist die Küche hier im Norden famos, die Weine ausgezeichnet, die Restaurants charmant, die Preise angemessen bis günstig. Etwas abwechslungsreicher, kreativer, kombinierter und facettenreicher, besser abgestimmt und netter präsentiert als im Tuttoitaliano-München. Auch der Kaffe stimmt, man trinkt Arabica. Rundherum also alles bestens und so kann ich mich freuen, wenn ich in zwei Wochen wieder vor Ort bin. Meine „bucket-list“ steht schon.
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Tellerkunst vom Feinsten, sowohl kulinarisch als auch optisch bietet das Restaurant 3 Köche „3 pavaru“. Wer junge Köche einmal entspannt und wirklich lässig und wirklich fein kochen sehen und genießen will, ist hier am richtigen Ort. Das „Tellergemälde“ wird auf dem Platzset kreiert, das Brot wird zum „Pinsel“.

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Für mich die beste aller guten. Schokolade wird in Lettland groß geschrieben. überhaupt alles, was mit Konditorei, Kuchen, Keksen,Schokolade und Pralinen zu tun hat. Ich habe bei der Spurensuche zwei herausragende Orte der Versuchung entdckt. Das Rienzi liegt gegenüber dem Kempinski-Hotel, also die perfekte Lage für Rigas beste Konfiserie. Trüffel vom Feinsten. Und im Rigensis gibt es Kuchen und Gebäck, zbereitet von drei älteren Damen, die per se schon köstlichste Qualität versprechen.

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Pelmeny sind aeinfach klasse. Ob mit Fleisch oder Spinat, in der Suppe, gebraten, mit Sauerrahm oder scharfer Soße. In de Altstadt gibt es eine Fastfoodkneipe Pelmey. Klar, dass man hier zwischendurch einmal einen kurzen Stopp einlegen muss. Für 3 Euro gibt’s ausgezeichnete Pelmeny satt. Erinnern etwas an kleine Maultaschen oder Ravioli. Beide, die Schwaben und die Italiener, haben die köstliche und dabei so sparsame und kostenschonende Kneipe noch nicht entdeckt.

IMG_6823Und wer unbedingt abtauchen will in die mittelalterliche Stadt, dem bietet diese Kneipe das wahrscheinlich richtige Ambiente. Finsterer geht kaum, da sollte man schon mindestens ein paar Bier genossen haben.

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Der dämmrige Schlaf…

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…der kalten Tage. Der Zwischenstopp in Istanbul auf dem Rückweg von Usbekistan liegt einfach auf der Hand. Und wie lange ist es schon her, seitdem ich durch die Stadt gewandert bin. Seit den Tagen der machtvollen Präsenz des alleinigen Herrschers war ich nur einmal da, ganz kurz, für ein paar Stunden. Zeit also für einen kurzen Besuch an den alten Stätten. Deswegen fahre ich mit der Fähre auf die Prinzeninseln. So eine Fähre ist immer ein guter Ort, nicht nur bei fliegenden Händlern Zitronenpressen zu kaufen, sondern um sich auch ein Bild zu machen. Wie ist die Stimmung in der Stadt? Eigentlich sind alle auf Ausflug, wenn sie zu den Inseln schippern. Aber die Stimmung ist gedrückt. leise und still. Man bleibt unter sich, die Familien sitzen zusammen. Es sind wenige junge Leute, die heute unterwegs sind. Vielleicht ist es das kalte Wetter, vielleicht ist es das kalte Klima. Ich vermisse die Lebensfreude und finde gefühlt, dass sich die Zahl der schwarzen Tücher vervielfacht hat. Wie unterschiedlich lebensfroh sind doch die alten Aufnahmen auf facebook, die ein türkischer Anwalt unter dem Slogan „before sharia spoiled everything“ da aus den 60er und später postet. Es ist ein gewaltiger Sprung nach vorwärts zurück. Aber Istanbul wäre nicht Istanbul, wenn viele nicht einen Weg fänden, sich zu arrangieren. Und so denke ich, dass der Rückzug ins Private und ins familiäre Umfeld durchaus mit den momentanen Gepflogenheiten zu tun hat. Wäre, war und ist bei uns wohl nicht anders.

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Im Hotel jedenfalls freut man sich. „Wir vermissen die deutschen Gäste sehr.“ Ich glaube dem jungen Mann aufs Wort. Das „warum und wieso“ viele momentan nicht mehr kommen, weiß er selbst, und spricht mit viel leiserer Stimme über die momentane Lage. Etwa, dass alleine rund um sein Hotel sieben andere Hotels in den letzten beiden Jahren geschlossen haben und einige weitere bald  schließen werden. Schon etwas bedrückend.

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Aber trotz aller misslichen Töne in den letzten Jahren lebt die türkische Gastfreundschaft. „Von wo kommst du?…“ Und los geht´s und schön, dass man da ist, und wie einem die Stadt gefällt. Und plötzlich kommt etwas Leben auf, ein Funkeln in den Augen, die Pistazien werden rausgeholt, dem Gast in die Hand gedrückt. Dann legt sich die Frau kurz hin, nickert ein paar Minuten vor sich hin. Auch sympathisch, diese gelassene Unbekümmertheit und diese Unkompliziertheit. Da können wir immer noch lernen. Überhaupt tut es gut, wirklich einmal sehr gut, ein paar Stunden hier zu verweilen. Sich selbst ein Bild zu machen, statt immer nur zu lesen und zu hören.

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Und auf den Inseln? Alles beim alten, nur dass alles noch etwas verfallener ist, das griechische Ambiente verschwindet, und große Türkeifahnen vor manchen Häusern wehen. Das Zuckerbäckerhotel hat seit zwei Jahren geschlossen. Und es sieht auch nicht so aus, als ob es in den nächsten Jahren wieder öffnen würde. Schade, aber nachvollziehbar, dass man gerade keine Motivation hat, hier ein griechisch geführtes Hotel zu betreiben. Dazu ist der Wind zu rauh.

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36 Stunden Zwischenstopp, um der Wehmut Istanbuls nachzuspüren. Was am Ende steht? Die Einsicht, dass Istanbul immer noch eine der faszinierendsten Städte ist, dass es viel – sehr viel weniger – ausländische Besucher aus dem Westen sind. Dass die Bazare leer sind und auch die Kneipen. Und, dass vieles sich geändert hat. Der Himmel in Istanbul hängt nicht unbedingt voller Geigen und auch nicht voller wilder Gibson-Gitarren. Wenn schon, dann hängt er eher voller Oud. Aber die Oud ist eben auch ein Instrument der Wehmut. Und Wehmut, hüzün, ist eine Grundeigenschaft der Istanbuler. Wie hat der junge Mann im Plattenladen gesagt: „Es gibt bei uns nur noch wenige Menschen, die Jazz hören.“ Ich hab in seinem Laden noch ein paar starke Platte gefunden, ein paar hab ich mitgenommen. Die anderen hole ich mir dann im Sommer.

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