Turku grau in…

…grau oder auch schwarz-weiß. Zwei Stunden angenehme Zugfahrt ab Helsinki im nahezu leeren und sehr komfortablen Zug. Aber das reißt es dann doch nicht raus. Vielleicht der falsche Tag, vielleicht die falsche Jahreszeit, vielleicht auch hatte Turku nach dem gestrigen Top-Tag einfach keine Chance. Trotzdem, ich hab mir ein paar winterlich kalte Highlights der Stadt gegönnt, darunter auch die Markthalle und natürlich den einstmals stylischen Bahnhof. Highlight? Schon, denn hier fährt wieder der Zug nach Helsinki. In der Markthalle kam dann auch langsam Farbe ins Spiel, denn die Pizza Napoli Style war ausgezeichnet. Fazit: Turku im Winter ist trotz Fluss und Burg im Gegensatz zu Helsinki kein Muß. Jetzt weiß ich das auch…

Aber Helsinki und das HAM-Helsinki Art Museum mit der wunderbaren Katharina Grosse machen alles wieder wett. Klare Sache, der Mensch braucht Farben, vor allem im Winter. Wahnsinn pur und begehbar…

…und schon ist Turku Grau von gestern

Ohne Worte: Suomenlinna…

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…bei -16 Grad Wohlfühltemperatur – und das meine ich ernst. Eigentlich hätte ich heute eine kleine Liste gehabt mit sehr eindrucksvollen Erlebnissen. Die Bibliotheken kommen noch, die Galerie Amos Rex ebenfalls, aber der Ausflug auf die Insel war so beeindruckend, das heute einfach nur Insel Thema sein soll…

…ach ja – was sind nochmal Karjalanpiiraka?

Es sind einfach Karelische Piroggen und wie man sieht, scheinen sie zu schmecken. Dünn ausgewalzter Teig aus Roggenmehl und Wasser, gefüllt mit Milchreis. Und der Trick bei der Sache, dass es oben so schön braun wird, ist Eibutter. Also dann, rann an die Piroggen. Wer keinen Milchreis mag, was in diesem Falle eher schlecht ist, kann auch Kartoffeln, Rentierfleisch oder Fisch wählen. Aber bleiben wir lieber vegetarisch, denn die Stadtverwaltung von Helsinki hat angeordnet, dass es aus klimatechnischen Gründen in den Kantinen, bei Empfängen und öffentliche Anlässen nur noch vegetarische Gerichte gibt. Milchreis ist fein…

Der Landeanflug bei -16 Grad…

…scheint weniger kompliziert zu sein als die S-Bahnfahrt zum Flughafen. Aber das sind wir in München ja gewöhnt. Trotzdem sind fast 40 Minuten Verspätung eine reife Leistung. Aber gut, hier herrscht, wie man sieht klirrende Kälte und weite Teile der Küste sind zugefroren. Ein schönes Bild von oben mit den vielen kleinen, unbewohnten Inselchen. Und erstaunlicherweise klappte die Landung perfekt, die Tür ging auf und waren nicht zugefroren, was bei unserer S-Bahn bei -2 oder -3 Grad ja schon öfter der Fall war. Überhaupt, muss ich schreiben, war das mit dem Fliegen ziemlich ok. Ohne Impfpass oder Attest keine Boardingcard und bei der Einreise im Green Chanel wurde selektiv noch einmal geprüft, selbst bei den Geimpften. Irgendwie entspannter als im Zug, ehrlich gesagt…

Die Fahrt mit der Bahn in die Stadt auch kein Thema. Nur der etwas brutalistische Weg vom Flughafen über dies Höllenrolltreppe zum Bahnhof hat mich kurz zum Foto greifen lassen. Aber man sieht schon, was sich andeutet. Der Dichtestress, so wie wir ihn von unseren Öffis in der Stadt kennen, findet hier wohl nicht statt. Die S-Bahn zum Flughafen war jedenfalls voller als die Ringbahn in Helsinki. Auf dem Weg durch die Fußgängerzone vom Bahnhof zum Hotel wird deutlich: weniger Menschen, weniger Nähe, weniger Stress…

Mag sein, dass es an den eisigen Temperaturen liegt, die übrigens sich nicht so kalt anfühlen wie unser vorweihnachtliches Grauingrauwetter, oder einfach daran, dass alles etwas weniger verdichtet ist. Rund 90 Prozent der Helsinkier tragen in öffentlichen Räumen Maske. Freiwillig und niemand meckert rum. An den meisten Eingängen wird freundlichst und ohne Aufforderung der Impfpass vorgezeigt. Covid ist da, keine Frage, wo sollte es auch hin. Aber der Umgang und das Miteinander ist anders und das gibt mir zu denken. Man sieht es als Pandemie, dem nur das ganze Volk entgegentreten kann ´, und nicht als Instrumentarium einer verschwörten Machtelite, Ich schwöre, das ist durchaus angenehm ;-)…

Also bummle ich bei diesen eisigen Temperaturen wohlgelaunt und frohgemut zum Hafen, zum Weihnachtsmarkt, mache ein Kitschfoto (denn Kitsch ist wohl wieder groß im Kommen) und kauf mir auch gleich ein paar Karjalanpiiraka. Was das wohl ist? Abwarten und Glögg trinken…

Großes Denken, große Berge, das Insektensterben und Helsinki…

…nachdem ich unlängst gelesen habe, dass eine Impfung den „Inkarnationszyklus“ durcheinanderbringt, muss ich nach „Karma, Käse, Kokosnuss“ noch ein Wort zu den Inkarnationen abgeben. Nun ja, in Tibet – einer der Heimaten der Inkarnation, sagt man, man komme so oft auf die Welt, bis der heilige Berg Kailash abgetragen ist. Wie? Tja, das dauert etwas, denn man muss einmal im Jahr mit einem Seidenschal auf den Gipfel schlagen und das so lange, bis der Berg weg ist oder man so edel und gut geworden ist, dass man sich selbst nicht mehr benötigt und den Kreislauf der Existenzen verlassen darf. Aber weil man dann ja ein Guter und Edler ist, also ein Buddha, verzichtet man auf diesen Egotrip und bleibt auf der Welt, um den anderen zu helfen. Das mit dem Seidenschal dauert defintiv länger, als alles Leben bis dato auf unserem Planeten je existierte. Aber es geht ja nicht ums Profane, sondern um den „Inkarnationszyklus“. Nur komisch, dass bei so edlen Ansprüchen das profane Ich im Vordergrund steht. Heilige Maria hilf mit all deinen buddhistischen Kollegen und nimm deine Freunde mit dazu, denn die wissen auch alle bestens Bescheid. Aber großes Denken und große Worte haben nicht immer einen großen Sinn. Ich gebe mir ja Mühe, das zu verstehen und suche für mein kleines Denken immer wieder leicht verständliche Beispiele und wende mich an Majushri…

Mantra für den Boddhisattva Manjushri

Wahrscheinlich ist es einfach so, dass wir gar kein Insektensterben haben, sondern eine große „Inkarnationstransformation“ und dass so viele Insekten momentan vom Aussterben bedroht sind, hat folgende Gründe: weil sie erstens zur einen Hälfte karmatechnisch total versagt haben und aussterben und zweitens, weil die andre Hälfte karmatechnisch so gut war, dass sie sich inzwischen langsam aufgemacht hat, Menschlein zu werden… Ich jedenfalls brauche die nächsten Tage dringend etwas Abkühlung von diesem Erkenntnispfad und mache mich auf den Weg gen Norden und habe alles, was ich an warmen Klamotten habe, eingepackt. Der nächste „followtheguide“ kommt aus Helsinki, natürlich mit kühlem Kopf…

Karma, Käse, Kokosnuss…

…oder wie doch einiges durcheinander geht. Die letzten Wochen machte immer wieder verstärkt ein Begriff die Runde, bei dem doch so manchem trotz Brille die klare Sicht der Dinge fehlen mag, auch wenn er sich auf seinen Meister beruft. Es geht um den weit abgesteckten Begriff des Karmas als Bilanz der vorhergehenden Taten in einem anderen, früheren Leben. Auf der Thangka links oben erkennt man Yama, den Totengott, alles andere als ein freundlicher Geselle, der das Rad des Lebens und den Kreislauf der Existenzen in seinen Klauen hält. Er verwaltet sinnbildlich, denn gesehen hat ihn so noch keiner, als Yidam im Tibetischen Buddhismus die Wiedergeburten und die Bilanz der guten und schlechten Taten. Und irgendwo im Rad sind auch wir Menschlein. So, nun mag man schnell denken, weil ich einen Haufen Geld auf dem Konto habe, muss ich in meinem früheren Leben ein ziemlich guter Mensch gewesen sein und weil grad so vieles extrem schief läuft, gibt es ein kollektives Weltversagen der vorhergehenden Generation zwischen Nord- und Südpol. Nennt man das nicht Kollektivschuld? Sollen wir also an dieses Kollektivschuld-Karma glauben und jetzt ergeben wider bessrem Wissen die Suppe auslöffeln? Gefangen in der Hölle wie die Hungergeister im Lebensrad, deren Kehle so eng ist, dass sie keine Speisen mehr aufnehmen können? Bei so viel profanem Geschwurbel dreht es selbst Yama den Magen um. Und der ist einiges gewöhnt, treibt er sich doch meist auf dem seelischen Leichenacker rum.

Nun denn, vielleicht hilft ja der Boddhisattva (Erleuchtungswesen) Manjushri, der mit seinem Flammenschwert die Ignoranz und Dummheit der Menschen durchschneidet. Übrigens hab ich alle bei mir versammelten Boddhisattvas gefragt – sie lassen sich alle impfen, immer und immer wieder, bis auch das letzte Lebewesen auf dem rechten Pfad ist. Avolokithesvara, der Boddhisattva des Unendlichen Mitleids meinte nur, „das ist unser Job. Schließlich haben wir Bodhisattvas schon wegen weniger aufs Nirvana verzichtet.“

Es mag ja sein, dass man Karma so mal ganz locker über den Hocker kollektiv sieht, weltweit, weil halt auch eine Pandemie das „ganze Volk“ betrifft, und dann dieses Karma als schnelles und bequemes Erklärungsmuster für alles nimmt, wofür man es gerade braucht. Ganz so einfach aber ist das nicht, denn Karma als die Bilanz der guten und schlechten Taten ist keine offene Rechnung für die man jetzt bezahlen muss. Meinte schon der Dalai Lama, und der kennt sich da vielleicht aus. Wie Karma genau wirke, dafür sei eine lange buddhistische Geistesschulung (haben die meisten ja eh…) erforderlich: „Die Lehre von der Leerheit – das ist eine der höchsten philosophischen Schulungen – das sei relativ zugänglich, aber Karma, das sei eine verborgene Wahrheit, die sei nur dem Buddha zugänglich.“

Karma ist also wie vieles im Buddhismus, kein greifbares Phänomen, sondern ein Bild und Hilfskonstrukt, um Menschen wie uns dazu zu motivieren, möglichst gut zu leben. Heute, hier und im jetzt und im Miteinander der Menschengemeinschaft. Ohne religiöses Brimbamborium, sondern nur ganz edel und hilfreich gut miteinader. Übrigens im ursprünglichen Wortsinn der Sympathie, des Mitleidens, und nicht im Sinne des Ego. Denn das Ego zu überwinden, ist mit das höchste Ziel auf dem Weg zur Buddhanatur. Nochmal Klartext: Es gibt keine offene Rechnung, denn im buddhistischen Sinne kennt man die Rache nicht. Und, das mag vielen Karmafreunden auch aufstoßen, weil es im Sinne von „ich für die anderen und nicht ich für mich und meine Freiheit“ gemeint ist. Das Nichtanhaften an Dingen und Denken ist gefragt, damit man weiterkommt. Also nochmal: Karma ist keine offene Rechnung, sondern das Hilfskonstrukt für schwache Menschlein, sich möglichst emphatisch und gut durchs Leben zu bewegen. Und übrigens, bei all dem Bockmist, der gerade aufbricht: das momentane karmabezogene Handeln würde selbst wieder Leid verursachen und gäbe fürs nächste Leben alles andere als ein gutes Karma. Zefix, nix ist fix, nicht einmal karmafix….

Vielleicht läutert ja etwas Lektüre den trüben Blick. Sabriye Teberken, selbst blind, hat sich jahrelang um blinde Kinder in Tibet gekümmert, die eben wegen diesem missverstanden Karmakäse von ihren Eltern verstoßen, weggegeben oder nicht beachtet wurden. Gruseliger und gefährlicher Unfug des Hirns, ichbezogen und absolut daneben. Nur weil das Kind blind ist und man meint, urteilen zu dürfen und können, das dies auf ein Vergehen im früheren Leben eines Kindes zurückzuführen ist. Karmarichter Yama als Yaknomade im Hochland von Tibet oder gar als Wissender in anderen bergigen Gefilden wie den Alpen. Brrrrrr!

Umgebrochen auf ganze Volksgemeinschaften (nehmen wir mal Kambodscha und Pol Pot) oder komplexe weltweite Situationen sind wir dann schon ganz schön mitten drinn im Faschodenken. Freunde!!! So funktioniert in mancher Denke vielleicht die Welt, nicht aber das buddhistische Denken. Und weil Herr Steiner sich da an dem Begriff des Karmas auch immer wieder abrubbelt, mag man dies vielleicht auch in einen zeitlichen Kontext setzen und sich nochmal das Büchlein “Imperium“ von Christian Kracht zu Gemüte führen. August Engelhardt war ein Zeitgenosse ( 1875-1919 / Steiner 1861 – 1925) und hatte auch eine ziemlich krasse Eingebung und Idee und gründete die Schule der Kokovoren, der Kokosnussesser. Vielleicht haben wir das ganze Schlamassel jetzt nur, weil wir in unserem früheren Leben zu viel oder meinetwegen auch viel zu wenig Kokosnüsse gegessen haben? Vor allem die Eskimos! Also los ihr Denkritter der…

Lesenswert ist das Interview von Alex Rühle mit dem Religionshistoriker Helmut Zander in der SZ (Bild oben) https://sz.de/1.5471318

Ein ganz feiner Text – noch vor Corona! – aus dem Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/suende-schuld-und-vergebung-im-buddhismus-gutes-karma-100.html

Ein kleines buddhistisches…

…Triptychon am Fensterbrett mit sanft flatternder Unterstützung. Sieht fast ein bisserl nach Rückzug in die Einsiedelei aus, dem Streben nach höherer Erleuchtung. Stimmt aber nicht so ganz, denn so, lieber Kollege Buddha, hab ich mir das auch nicht vorgestellt im Winter 2021/22…

Zunehmend verschwimmen die Spuren der Wahrnehmung und die verschiedensten Wirklichkeiten und Wahrhaftigkeiten scheinen sich übereinander zu legen wie Einsicht und Einfalt. Vieles, was man sieht, entstammt mehr dem Wunsch, etwas sehen zu wollen denn der Wahrhaftigkeit. Bei so vielen Wissenden und Sehenden heute durchaus ein Thema. Da muss man einfach nur eins und zwei zusammenzählen oder zusammenlegen.

Einfach zum aus der Haut fahren oder zum Abheben. Ganz im Sinne von Heidi Bucher, zu bestaunen im Haus der Kunst, die uns zeigt, wie gefangen unser Denken in harten und weichen Strukturen und Schemata eigentlich ist. Ganz im Gegenteil von dem, was wir von uns denken…

So sollt ihr diese flüchtige Welt beschauen:

Wie einer Sommerwolke Wetterleuchten,

wie ein Stern im ersten Morgengrauen,

wie einer Flamme unbeständiger Schein,

wie einer Welle schnell verwehter Schaum,

wie ein Phantombild, ein Trugbild ohne Sein,

wie eines schlafverfallnen Geistes Traum.

Santideva

Demagogentracht und Schwedenfahne…

…malte Caspar David Friedrich nicht weit vorausschauend zum Thema Corona. Er wollte auch nicht als alter Mann, der Heimat den Rücken zugedreht, das Land verlassen und auswandern ob der schweren Lage zu Hause. Greifswald war zu seiner Jugend noch schwedisch. Im Gemälde, so romantisch es anmuten mag, dokumentierte Friedrich ein deutliches politisches Statement, indem er sich in der seit 1819 verbotenen Demagogentracht als Bekenner zur bürgerlichen Freiheit malte. Mit Schweden und den Demagogen und Corona beschäftigen wir uns heute wieder ganz schön viel. Aber so romantisch wie Friedrichs heransegelnde Schiffe im Bild „Lebensstufen“ an der nordischen Küste sind unsere Tage leider nicht mehr und Caspar David Friedrich hätte sich wohl stante pede impfen lassen. Im ging es um die Freiheiten, die wir heute manchmal so großzügig dehnen. Schweden hin oder her…

Auch die Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota, „Internal Line“ beschäftigt sich mit dem Thema Freiheit. Unzählige rote Fäden umgeben hängende Frauenkleider, eingesperrt und vor dem sozialen Außenraum geschützt zugleich.“…Das Verhältnis von individuellem Freiheitsstreben und schutzversprechender Beschränkung klingt als Grundthema an.“ Also wieder einmal alles hochaktuell im Museum der Bildenden Künste zu Laipzsch…