…jeder von uns hat in seinem Leben schon einmal eine zweite Chance gehabt, sie genutzt oder verstreichen lassen. Aber unabhängig davon, was er damit gemacht hat, er hat sie wohl bekommen. Das ist Grund genug, im Restaurant des Frauengefägnisses von Cartagena zu Abend zu essen. Es war das beste Essen, ein fantastisches Cerviche mit Kokos, der charmanteste Service in ganz Kolumbien, guter Wein und definitiv auch eines der nachhaltigsten Erlebnisse. Warum nicht auch bei uns?
….so kann der Tag doch beginnen, zumal heute ein archäologischer Höhepunkt unserer Reise auf dem Programm steht. Die Gegend rund um San Augustin ist voll von indigenen Grabstätten, bei denen man die ältesten bis auf 3300 v.Chr. zurückdatiert. Die Grabwächter sind fröhliche Gesellen, versehen mit allerlei schamanistischen Attributen. Gut, das unsere Führerin Luna selbst in diesen Dingen bewandert ist, so manches schamanistisches Ritual kennt und uns vieles aus dieser Welt so anschaulich erklären kann. Cocarituale, Jaguarmenschen, Krokodilmenschen, wir sind da nicht so bewandert. Bis jetzt.
Aber San Augustin birgt auch andere sehenswerte locations. Etwa die Schlucht des Rio Magdalena, des wichtigsten und längsten Flusses in Kolumbien, oder eine einfache, aber sehr nette Gartenkneipe mit so rumstehenden, leuchtenden Orchideen und botanischen Kostbarkeiten. Wenn man dann auf der Veranda sitzt, das Essen schmeckt, alle gesund und munter sind, dann passt’s doch.
Heute Abend sitzen wir übrigens wieder am Kaminfeuer und diskutieren über den Wendekreis der Sonne. Knapp oberhalb des Äquators am Kamin…
Sehr einducksvoll und vielseitig sind auch die gesammelten Schätze der heutigen Einkaufstouren. Aber aus Gründen der Geheimhaltung gibt es davon keine bildliche Darstellung…logsich, sind doch alles Mitbringsel!
…in Tierradentro. Mittendrinn im grünen Dschungel, nach einer eher schlammigen Fahrt: mysthische Gräber der frühen Indigenas, Lagerfeuer, Schamanenkunde…
…Tribut in Form eines dreistündigen nervigen Umwegs wegen eines Radrennenens und ihren blutroten Zoll in Form einer Tobascoexplosion. Da drück ich doch glatt zu fest auf die verstopfte Tpbascoflasche und schwupps sind acht, neun Opfer mit blutroten Flecken am T-Shirt zu beklagen. Ok, kann man waschen…hoffe ich…
Nach einem langen, sehr langen Fahrtag, kommen wir dann doch noch im charmanten Popayan an und der Vulcano begrüßt uns mit seinem wunderbaren Profil. Andenpanorama pur…
Und der abendliche Stadtbummel mit Luna ist ebenfalls stimmungsvoll…
…oder ein fantastischer Wandertag im andinischen Regenwald und im Tal der himmelstürmenden Wachspalmen. Natur pur…
Wie man sehen kann, werden wir überall herzlichst begrüßt. Nicht nur von den Schmetterlingen. Und inzwischen ist es immerhin der sechste Tag ohne Regen. Perfekt, denn sonst wäre unsere Wanderung mehr eine Schlammpartie als ein Bergnügen geworden. So aber wars wieder einmal sehr sehr fein in Kolumbien…
…viel mehr kann man an einem Tag nicht erleben. Höhenflug, Ausflug, Abflug – das wäre die alternative Headline gewesen. Der erste Tag im Kaffee-Dreieck begann mit dem Flug durch Bambusdschungel und über Bananebplantagen. Zunächst einmal war nicht jedermann/frau zuversichtlich, dass es ihr „Ding“ sei. Aber man will ja ausprobieren. Trotzdem waren auf der ersten Plattform die Knie ein bisserl weich. Mit der Zeit verfestigten sich die Knie und auch das Bremsen funktionierte. Am Schluss aber waren dann doch alle vom Höhenflug begeistert. Fast.
Nach dem Höhenflug der Ausflug. Und so eine Rundfahrt in die tropisch grüne Hügellandschaft und in die Kaffeeplantagen, zu Aussichtspunkten und ins beschauliche Dorf Pijao mit einem alten, aufpolierten Williys-Jeep ist besonders fein. Standing Ovations für den Ausflug und die inforeiche Plantagenwanderung.
Am Schluss menschelt es noch etwas bei unserem Besuch im verschlafenen Dorf Pijao. Mürrisch die Herren, gutgelaunt die Damen. Es ist eine entspannte und so freundliche Atmosphäre mit vielen netten, kleinen Begegnungen.
Ein Rundgang durchs Dorf endet natürlich in der Bar. Und was sollte man anderes bestellen als einen Tinto? In Pijao unbedingt einen Cappuccino, denn der ist hier fantastisch. Bei dieser Maschine kein Wunder…
…könnte man die auf 3400m sich raufschlängelnde, kurvenreiche Rennstrecke zwischen Ibaque und Armenia nennen. Von 260 m auf 3400 m und dann wieder runter auf 1600 m – alles an einem Nachmittag. Das Wettrennen zwischen den Lastern, Bussen, Privatautos und Motorrädern kann wohl nur der nachvollziehen, der schon einmal eine südamerikanische Andenstrasse genossen hat.
Natürlich ist niemand zu Schaden gekommen, aber bei so manchem Überholmanöver stand wohl einigen von uns schon mal der Schweiss auf der Innenstirn. Aber alles halb so schlimm, wenn man den richtigen Fahrer hat. Das Zauberwort des Tages war heute Cajamarca, ein kleines, lautes, wenig apartes Strassenkaff an der von mir so genannten Todesstrasse mit ein paar Restaurants, in denen man das Gefühl hat, die Sattelschlepper rollen über den Mittagstisch. Nachdem unser Bus in Cajamarca (es ist wirklich einer der Orte, an denen man nicht unbedingt lange verweilen mag) mit Getriebeschaden liegengeblieben war und Calos Primero, unser Fahrer, uns in ein Sammeltaxi umgebucht hat, konnten wir den original kolumbianischen Elchtest bestehen. Aber auch wenn es kurvenreich war – ein Foto aus dem Fenster geht immer, wie man sehen kann…
Ein besonders heimeliges Fundstück hatte Cajamarca für uns Bajuwaren auch noch aufzubieten. Wenn man auf fast 3000 m schon mal ein Oktoberfestbier bekommen kann, sollte man zugreifen…
Und ganz am Schluss, nach vielem links und rechts, auf und ab und ein paar Überholmanöver von der kolumbianischen Art sind wir dann doch wohlbehalten in der Finca Delirio (was für ein Name) angekommen, und schwupps, alles war wieder einmal fein im Lot. Hier kann man es aushalten.
…benötigt die Signora für ihre Kolibris pro Monat, um sie ordentlich am Fliegen zu halten. Es sind fliegende Edelsteine und dank der slow-mo kann man ihren Flug auch genießen. Von den etwa 170 Kolibriarten tummeln sich hier 26. Ohne Voliere, ohne Netz, im freien Flug. Abends kehren sie in die nahen Wälder zurück. Man kann nicht den ganzen Tag im Hochfrequenzmodus unterwegs sein…
(Kolibrifoto @ .F.)
In Guaduas kann man koloniales Ambiente genießen. Es liegt schon mal 1000 Meter tiefer wie Bogotá, also ist es 10 Grad wärmer. Noch ist alles bestens. Wir suchen ein Restaurant für unsere Mittagsrast – das sieht doch schon mal gar nicht so schlecht aus. Also rein in den Innenhof und…
Unser Hotel ist heute in Honda am Rio Magdalena, dem einst wichtigsten Binnenhafen im kolonialen Norden Südamerikas. Honda liegt auf 200 Meter, das sind nochmal 16 Grad plus. Jetzt wird’s entspannt tropical…