



…oder nicht einmal 100 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Nahezu der selbe Standort, die selben Berge, der selbe Gletscher. Und doch liegen Welten dazwischen. Kriege, Katastrophen, etwas Freude und so manches Leid. Vielleicht ist es das, warum sich der Gletscher zurückzieht. Der Mensch – verständnisvoll und umsichtig, kann doch kaum der Grund sein. Oder vielleicht doch? Heute, am Earth overshoot day bleibt einem nichts anderes, als davon auszugehen. Ist so und ist so traurig…



…und akkurater Geduld gemalte religiöse Rollbilder. Im Zentrum dieser Bilder stehen meist die persönlichen Schutzgottheiten, umrahmt von anderen Gottheiten oder Welten. Es sind komplexe, nicht von links nach rechts lesbare Bilder, die einen ganzen Kosmos eröffnen. In diesem Fall handelt es sich auch um eine mehrfach überlagerte Welt zweier großer und gegensätzlicher Künstler, die jeder auf seine Art und Weise, neue Welten oder besser Sichtwelten eröffnen. Lucas Cranach der Ältere und der Fotograf Andreas Gursky. Als ich die beiden so unterschiedlichen Bilder im MDBK in Leipzig gesehen hatte, war mir klar, die passen zusammen. Zumal sie auch thematisch dem hohen Anspruch der Thangamaler gerecht werden. Gurskys Grundlage ist ein Foto einer großen Feierlichkeit um die zentrale Führerfigur in Pyönyang, die sich ja eine eigene Welt erdacht und fern jeglicher Realität diktatorisch erschaffen hat. Cranachs Bild thematisiert den Tod und die Vergänglichkeit ist ein wichtiges Grundthema in der buddhistischen Philosophie. Die komplexe Schizophrenie einer verrückten Welt und der allerpersönlichste Moment im Leben, der Tod. Also alles höchst buddhistische Zusammenhänge, die hier zusammenfinden…

