Sackgasse Leipzig…

…kann man angesichts dieser ins grüne Nichts führenden Gleise denken. Tatsache aber…den Kopf um 90 Grad gedreht, steht man vor einer der absoluten architektonischen Highlights, die es gerade in Deutschland zu sehen gibt. Kein Geringerer als der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer, der Architekt von Brasilia, hat diese Sphere entworfen. Post mortem wurde sie fertiggestellt und wartet jetzt in Leipzig auf die Eröffnung. Ein Stararchitekt entwirft eine Betriebskantine für die Kirow-Werke in Leipzig. Starke Sache. Die Kantine ist morgen offen und deswegen bin ich morgen dort. Ein Muss, wenn man in Laipzsch weilt…

„Dann steig doch aus, du…

…Depp!“ möchte man am liebsten dem Mitfahrenden ins Gesicht schleudern. „Würden Sie bitte Ihre Maske richtig aufsetzen.“ In den vollen Kabine ältere Wanderer, Kinder, Schwangere. Volles Schutzprogramm und eigentlich ist Rücksicht ja das Thema. Jeder darf von Covid und Schutzmasken halten was er mag. Das ist eben Meinungsfreiheit. Aber Meinungsfreiheit ist nicht zwingend Handlungsfreiheit und nicht jeder, der etwas „anderes empfindet“, darf einfach nach seiner Meinung handeln, zumal wenn es auf Kosten der Anderen geht. Ob nun die platte Geschwindigkeitsbegrenzung oder Maske: es gelten Regeln und die gelten für alle. Glaubt man, aber eben nicht bei Coronoa und deswegen geht es auch sofort aggressiv los. Die üblichen Tiraden. „Informieren Sie sich doch erstmal, die Maske bringt überhaut nichts, Freiheitsberaubung, Unverschämtheit, Gängelung, Grundrechte…“ – eigentlich so die ganze Blabla-Palette der Covidioten in komprimierter Form. Am besten sollten wohl alle aussteigen, damit einer maskenfrei hochfahren kann. Deswegen ist man ja wahrscheinlich auch eingestiegen, um das abzubekommen. Vier Minuten dauert die Fahrt auf den Herzogstand, 15 Euro bezahlt jeder für rauf und runter. Die Aussicht ist phänomenal an diesem wunderbaren Tag. Eigentlich alles paletti und kein großes Problem, wäre da nicht dieses ignorante Gezeter. Aber das ist eben so in einer kommunitären Gesellschaftsform – da haben auch Covidioten ihren Gondelplatz. Ist schon ok, alle anderen 25 – 30 Fahrgäste ziehen ihre Masken hoch und schauen zur Gondel raus. Diskutieren bringt eh nichts und versaut nur die Aussicht. Wie heißt es so schön – dbddhkpsav…(dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen…) Das Gondelpersonal hält sich ebenfalls raus aus der Diskussion. Das haben sie wahrscheinlich Tag für Tag und wahrscheinlich ist ihnen die Aussicht auch lieber als die Aussicht auf vier Minuten Bla, bla, bla…

Ein Satz mit…

…“x“, das war wohl nix oder wie gewonnen, so zerronnen. Tja, die Reisewarnungen bleiben bestehen, das individuelle Abklopfen der einzelnen Länder scheint im Sommerloch zu verschwinden. Dabei gehört Georgien zwar weiterhin wohl zu den sichersten Reiseländern, denn georgische Staatsbürger dürfen ohne weiteres in die EU und die Bundesrepublik einreisen, umgekehrt gilt dies aber nicht. Lufthansa, Air France und Baltic bieten zwar die ersten Direktflüge an – wir wären auch flugtechnisch dabeigewesen, hätten mit unserer naturbetonten Reise auch ein schlüssiges und gutes Hygienekonzept, aber nachdem immer noch eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes auf den Seiten steht und sich auch wohl bis zum 31.8. nichts ändern wird, heißt es: war wohl nix mit unserem Sommertermin im Kaukasus. Schon etwas bitter. Aber man soll ja auch in schlechten Zeiten nicht den Mut verlieren und deswegen haben wir schon mal für 2021 vorausgedacht, denn Georgien lassen wir uns nicht entgehen!

Georgien – das weite Herz 2021: 3. – 17. Juni und 30. August bis 13. September

Das weite Herz

Reist man durch Georgien und hat man das quirlig, umtriebige Tbilisi hinter sich gelassen, werden die Tage ruhig und die Zeit streckt sich.

Als Gott die Welt erschuf, rief er alle Völker zu sich, um das Land zu verteilen. Alle waren da, nur die Georgier nicht. Wahrscheinlich hatten sie am Abend vorher gesungen, getanzt, getrunken und geweint, der Zeremonienmeister , der Tamarlan, sprach wohlmeinende Trinksprüche und am Ende lagen sich alle in den Armen. Als dann die Georgier doch noch kamen, immerhin mussten sie ja den Abend erst einmal ausklingen lassen, war Gott zunächst etwas verärgert. Alles Land war verteilt, nichts war mehr übrig. Wahrscheinlich aber waren es die sanften, melancholischen Augen und der warme Klang der Stimmen, die ihn dann doch umgestimmt haben. Kurzerhand, der Weltenschöpfer gab den Georgiern den Flecken Erde, den er eigentlich für sich selbst bestimmt hatte. Alle waren froh und glücklich und bis heute kommt Gott immer wieder einmal vorbei, um sich hier zu erholen. Ob es so war – nun ja. Aber diese uralte Legende, wie die Georgier zu ihrem Land kamen, zeigt in wenigen Worten ein großes Phänomen. Alles ist in dieser Geschichte verpackt, die Schönheit des Landes, die Freude und die Traurigkeit, die Liebe zum Wein und zu wehmütigen Liedern, der Stille Charme und die unendliche Freundlichkeit der Menschen. Nicht umsonst rückte Gott das raus, was er eigentlich für sich behalten wollte.

Georgien – im wilden Kaukasus

Kasbek – Stepansminda

Im wilden Kaukasus

Die Berge Georgiens sind anders. Es sind nicht die gewohnten Schroffen, die wir aus den Alpen kennen. Die Berge hier sind uralt. Wind, Wasser und Wetter haben die Kanten geschliffen. Grüne Almen und Weiden ziehen sich hoch hinauf und überdecken immer wieder das dunkle Grau der Steine. So dunkel wie die Steinflecken sind auch die Dörfer. Hohe Steinmauern schützen gegen kalten Wind und Winter. Die Rauheit der Landschaft prägt die Menschen. Die Gesichter sind wettergegerbt, die Hände groß, der Gang eckig. Aber die Schönheit Georgiens bricht das Dunkel immer wieder auf. Im Frühling und Frühsommer sind es die einzigartigen Almwiesen, auf denen Knabenkräuter fast hüfthoch zu Tausenden stehen. Im Sommer ist es das weiche Licht und das leuchtende Grün. Und dazwischen die einzeln stehenden Vulkane wie der  5047 Meter hohe Kasbek. Glitzern leuchten seine schneebedeckten Flanken. Er ist der dritthöchste Berg Georgiens, ein Grenzberg mit Russlands Republik Nordossetien. An den Kasbek sollen die griechischen Götter Prometheus gekettet haben. Zur Strafe, weil der den Menschen das Feuer gab. Jeden Tag riss ein Adler ihm ein Stück der immer wieder nachwachsenden Leber aus dem Leib. Sagen und Legenden. Den Adler gibt es anscheinend immer noch, er dreht seine luftigen Runden hoch über dem malerischen Gergeti Plateau. Unter ihm das Kirchlein Tsminda Sameba.  Es wurde zum vielfotografierten Instagram-Point. Ein Trend, der überall auf der Welt den Orten die Erhabenheit raubt. Aber nur wenige Schritte von der Kirche entfernt, weg vom Instagram, lebt Georgien. Frauen kommen aus dem Tal hochgestiegen und singen polyphone Kirchenlieder. Die drei Stimmen symbolisieren die Dreifaltigkeit, ihre Musik ist eine kosmische Erfahrung. Wolken ziehen auf und verhüllen den Kasbek.

Entdeckertouren Georgienreise „Das weite Herz“ 30.8. – 14.9.2020

Unsere Georgienreise „Das weite Herz“ startet am 30.8.2020 – es gibt noch Plätze!
Bergsommer in Swanetien

So langsam könnte es…

…ja mal wieder losgehen, mag man sich anhand dieses Fotos vom Check-In heute Vormittag am Flughafen München denken. Zumindest hat man dort ja schon einmal das Licht eingeschalten. Bedenkt man, dass die Tourismuseinnahmen laut einer Studie um bis zu 3,3 Billionen Dollar ( Der Zahlenname Billion steht im internationalen Sprachgebrauch für die Zahl 1000 Milliarden oder 1.000.000.000.000 = 10¹², im Dezimalsystem also für eine Eins mit 12 Nullen. 1000 Billionen ergeben eine Billiarde...Wikipedia / ) sinken, mag man hier schon ganz schön ins Grübeln kommen (Quelle BR24 ). Reisen ist eben nicht nur Jux und Tollerei, sondern auch ein ungeheurer Wirtschaftsfaktor. Und bei Reisen handelt es sich nicht nur um überfüllte Massenstrände in Spanien oder der Türkei, sondern auch um hunderttausende kleiner und kleinster Agenturen, Guides, Restaurants, Fahrer, Pensionen, Köche, Zimmermädchen und…und…und… plus all dem „backoffice“ an Familie und was sonst noch alles dazu gehört. In vielen Ländern sichert eine geführte Tour eines Guides das Familieneinkommen für mehrere Wochen. Nicht weil die Tour so abgedreht teuer ist, sondern weil die Lebensverhältnisse so bescheiden sind.

Aber selbst wenn man langsam in die Gänge kommt und so wie wir mit unseren www.entdeckertouren.com, die wir vorrangig doch weitgehend nachhaltig mit diesen kleinen und kleinsten Partnern arbeiten, für den Herbst plant, heißt das noch lange nicht, dass alles wieder so ist, wie früher. Die ersten Gruppen für den Herbst stehen – mit kleinen Teilnehmerzahlen, Hygienekonzept, angepasstem Tourenplan und entschleunigtem Programm. Bei der schwierigen Flugsituation neigen wir jedoch momentan fast dazu, bei unseren Gruppen im Herbst auf den bewährten und krisensicheren fliegenden Teppich zurückzugreifen.

Usbekistan

Und “ mal einen Urlaub in Deutschland“ zu machen, ist zwar ein lobenswerter Ansatz, aber in der momentanen Situation in den deutschen Urlaubsdestinationen auch nur eine bedingt taugliche Lösung. Denn wenn alle an den Strand oder in die Berge wollen, dann wird es auch da ziemlich voll, wie wir gerade feststellen. Natürlich will jeder raus, aber auch bei uns ist man nicht gerüstet für diesen Ansturm. Und dass nicht alles so klappt, wie man es gerne hätte, gilt auch hier bei uns. „Urlaub dahoam“ kann auch eine Herausforderung sein – alleine 30 % mehr Fahrradunfälle sprechen für sich, von den Prozessionen auf den ausgetretenen Pfaden in den Alpen ganz zu schweigen…

Dolomiten – Pala

Aber „off the beaten track“ und abseits der Trampelpfade geht auch bei uns – deswegen haben wir für Herbst zwei Deutschlandreisen aufgestellt. Zum 50jährigen Jubiläum Nationalpark Bayerischer Wald gehen wir für geführte und erholsame Wanderungen und Naturerlebnisse ins Zwiesler Waldhaus. Gleichsam „Waldbaden“ mit den Entdeckertouren. Info

Nationalpark Bayerischer Wald 12. – 16.10.

Und als absolutes Highlight vom 20. – 23.9. zu unseren „Toskanatagen an Saale und Unstrut“. Toskanatage? Richtig gehört! Der Bildhauer und Maler Max Klinger verlegte sein Atelier an die Unstrut und meinte euphorisch: „ Alles wie in der Toskana hier – nur näher.“ Weingärten, Burgen und eine Flussmündung mit dem lyrischen Namen „Blütengrund“! Die Himmelsscheibe von Nebra, das älteste Sonnenobservatorium der Welt, den Naumburger Dom und eben ausgezeichnete Weinlagen an Saale und Unstrut. Info

Mittagsrast an der Saale – sehr fein

Zwischenhoch im…

…Regentief. Mittwoch Nachmittag war mal ein paar Stunden Sommmer.

Der Sonnenuntergang am See war dann an diesem Mittwoch inklusive.

Es ist wichtig, es zählt! Eine Ausstellung…

…mit einem ungeheuren, wenn man den wieder neu in die Mode gekommenen Ausdruck nehmen darf, „Wumms“. „Sheela Gowda – it matters“ im Münchner Lembachhaus ist für jeden, der einmal in Indien war und der Indien liebt, mehr als eine Ausstellung mit raumfüllenden Objekten, sondern es ist eine spirituelle Reise zurück in vergangene Tage zwischen ungeheurem Lärm, Dreck, Menschenmassen, Elend, seltsamsten Gerüchen und einer dichten, den Atem stocken lassenden Schönheit und Spiritualität. Sofort, schon beim ersten Blick auf das komplexe System der Installationen, wird deutlich, dass Gowda ihre ganze Intensität in dieser Ausstellung verdichtet. Man ist sofort gefangen, hinweggebeamt in diesen einen, anderen, so gegensätzlichen Kontinent. Man möchte am liebsten sofort den Koffer packen und aufbrechen, um all dies noch einmal mit dieser gerade gespürten Intensität aufzunehmen und einzuatmen. Sofort erscheinen auf dem inneren screen Bilder aus New Delhi, vom Taj Mahal, Rajastan…nein, nicht die Sehenswürdigkeiten und Schönheiten, sondern die alltäglichen Impressionen, denen man so unfertig und unvorbereitet gegenübersteht. Dichter und ergreifender kann Indien und seine ganze Vielfalt wohl kaum in einen Ausstellungsraum gezaubert werden. Eine Ausnahmekünstlerin, die mit ihrer herzenswarmen, sympathischen Ausstrahlung den Besucher verzaubert. Gleich am Anfang an der schiefen Rampe „Where Cows Walk“, die extra für München geschaffene Installation.

Holy Sh… streift es durch den Kopf, aber genau das ist es: Indiens urtiefe Spiritualität kombiniert mit einer grenzenlosen Armut und der souveränen Leichtigkeit, doch alles in ein ergreifendes Kunstwerk zu erheben. Sofort kommen die Gedanken wieder an indische Malerei, an kunstfertige Steinmetzarbeiten, an das Taj Mahal. Gowda, die niemals den lebensnotwendigen Bezug zur überall herrschenden sozialen Ungerechtigkeit verliert und sich nicht die Blöße gibt, nur dazustellen, weckt mit einfachsten Mitteln und Verdichtungen das Gewissen. Das ausgestellt Taj Mahal aus schwarzen, plattgewalzten Blechen und Ölfässern wird zum „Darkroom“, einer für uns nicht greifbaren Zuflucht. Wer einmal in Indien die bitterst armen Straßenarbeiter aus Bihar am Wegesrand gesehen hat, kann sich vorstellen, dass so ein Taj ein Schloss ist, in dem die Sterne von der Decke funkeln…

Schlendert, sofern man in so einer Ausstellung von schlendern sprechen mag, man durch die 200 Küchenmörser aus Granitblöcken, ist man vollends aus dem Raum genommen und hat sofort das ganze Spektrum der geruchsintensiven Assoziationen an Indiens Bazare und Küchen im Kopf und in der Nase. Der Duft von Curry und Kurkuma, Ingwer, Senfkörnern, Chili…die ärmlichen Küchen mit Lehmofen vor den Hütten, die Frauen in bunten Saris, die am Boden kauern und das Feuer anblasen und mit kurzem Blick den Vorbeigehenden wahrnehmen und willkommen heißen …nein, es ist keine billige, schillernde Reiseromantik, die einen beim „Schlendern“ befällt, sondern der tiefe Respekt vor einem wunderbaren Land und seinen Menschen, die mehr als nur oft in einer gänzlich unmenschlichen Situation überleben müssen. Mit einem ungeheuren „Wumms“ und einer sakralen Dichte holt Sheela Gowda diese Widersprüche in das etablierte München mit seinem manierierten Kunsttempel und dem angeschlossenen goldenen Cafe. Geht´s noch, mag man bei sich denken, und lässt das Cafe links liegen. Viel krasser könnten die Gegensätze kaum sein und selbst wenn man indienstyle nur Tee aus der Untertasse trinken würde – hier würde er jetzt nicht schmecken. It matters!