„If we make it through…

…December“ ist ein alter Country-Hit von Haudegen Merle Haggard, aber niemand haucht ihn so schön und treffend wie Phoebe Bridgers. Und weil der Song halt momentan so passt wie das Aug auf die Faust, wäre mein Vorschlag einfach, sich mal eine Pause zu gönnen vom ganzen Coronasch… und sich diesen fantastischen Song reinzuziehen. Oben auf den screenshot oder hier auf den Link klicken, dann kommt man zum „Rolling Stone“-Magazin und kann sich am Kaminfeuer freuen. Lohnt sich und der Erlös der Klicks geht ans Downtown Women´s Center in Los Angeles. Also los!

If we make it through December – everything’s going to be alright I know…

Und dann? Käme eigentlich Sylvester. Gehen Sie zurück auf Los!

Irgendwie sind diese Roten…

…Lichtnelken schräg drauf. Auf alle Fälle laufen sie gänzlich quer und denken wohl, es wäre schon Frühling an der Stadelwand. Das ist zwar ausgesprochen nett von ihnen, aber so wirklich passen sie nicht in diese Zeit. Denn warme Herbsttage hin oder her, spätestens morgen ist es nämlich soweit, dann geht´s mit den Temperaturen runter, der Frost wartet und der angedachte Frühling ist vorbei. Trotzdem hat es was, die einzige Rote Lichtnelke im weiten Umkreis zu sein. Auch wenn´s außer mir kaum einer zur Kenntnis zu nehmen scheint.

Ora et labora…

…scheint das Gebot der Stunde zu sein, das nicht auf Markus S. sondern auf den Ordensgründer Benedikt von Nursia zurückgeht. Wir sollen arbeiten (was in unserem Falle von Reiseveranstaltern ja nun mal nicht gilt) und das mit dem Beten muss jeder selbst wissen, ob´s hilft oder nicht. Zumindest haben die strengen Benediktiner den Mönchen zugestanden, das ein oder andere Bier in der Gemeinschaft zu trinken. Nicht nur deswegen wird wohl in den bayerischen Benediktinerabteien die Braukunst seit Jahrhunderten so kunstvoll gepflegt. Aber selbst das ist uns nun in diesen Tagen versagt und Kloster Andechs versteckt sich unerreichbar auf seinem Heiligen Berg. Aber das haben viele Heilige Berge gemeinsam, der Gipfel ist untersagt, darf nicht betreten werden. Auch im Himalaya ist das so, nicht jeder Gipfel darf bestiegen werden. Der Chomolhari in Bhutan ist einer von diesen Bergen, die nicht bestiegen werden dürfen. Auf seinem Gipfel gibt´s aber auch keine benediktinische Brautradition, so wie in Andechs.

Jedenfalls ist die Welt ist momentan aus den Fugen und verrückt. Vielleicht hilft arbeiten, vielleicht hilft beten, vielleicht hilft buddhistische Ruhe, vielleicht helfen ein paar Bier. Up to you. Auf alle Fälle haben diese Tage viel:

Kultur-Reisen und die Kunst…

… des Reisens. Wir wissen, wovon wir sprechen und haben in den letzten fünf Jahren mit den Entdeckertouren die Kunst des Reisens gepflegt und viele, viele Kultur – Reisen in die Ferne und die Nähe durchgeführt. Kunst und Kultur waren dabei zwei ebenso unerlässliche Standbeine wie die vielseitigen Naturerlebnisse und eben das viel im Freien sein. Es waren auch eher die stillen und beschaulichen Destinationen, die Begegnungen vor Ort auf Augenhöhe, das entschleunigte Reisen, die kleinen und kleinsten Veranstalter als unsere Freunde, nur weitgehend persönlich ausgewählte Hotels und Lodges, fast ausschließlich wirklich besondere Restaurants. Es waren absolut erstklassige lokale Guides, die uns ihr Land, ihre Kultur und ihre Kunstschätze gezeigt haben. Dies und vieles, vieles mehr und noch einiges andere waren und sind die Qualitäten unserer Entdeckertouren. Neben all unserer kulturellen Basis waren unsere Sicherheits- und Hygienekonzepte die letzten Jahre so gut, dass wir gottseidank weder irgendeinen Unfall noch irgendeine Unpässlichkeit oder gar Krankheit verzeichnen mussten, die über den manchmal unausweichlichen Magen-Darm-Virus hinausgingen. Gleich, ob nun in Tibet oder Kolumbien, Patagonien oder Kambodscha, Georgien oder Albanien, Italien oder Iran, Südtirol oder im Bayerischen Wald. Wir waren zu Fuß über die Alpen unterwegs, im Dschungel und in der Wüste, auf Bergen und in Tälern, im Sommer und im Winter. Wir waren in einfachen Straßenkneipen zum Mittagstisch, hatten unser Picknick am Strand oder waren am fein gedeckten Tisch. Alles ohne großes Bohei, dafür mit Ruhe und Genuss und kompetenter Führung. Mit einem anscheinend doch sehr guten Sicherheits- und Hygienekonzept und großer Verantwortung als Veranstalter, denn sonst könnten wir nicht auf eine solch erfreuliche Bilanz zurückblicken. Dieses Jahr haben wir alle – nochmal: alle – Reisen coronabedingt absagen müssen. Ist nun mal so, ist bitter, aber können wir nicht ändern. Ich wollte aber auch nur einmal (und wenn nur für mich) festhalten, dass Kultur und Kunst und Hygiene und Sicherheit und Risikomanagment bei uns zum Alltag gehören. Unsere Bilanz bei diesen Themen ist ziemlich top. Wenn wir aber nicht mehr reisen können, wird es nicht nur um Kunst und Kultur, sondern auch sonst ziemlich still. Bei vielen unserer Freunde weltweit ist es inzwischen mehr als nur ziemlich still. Auch das muss einmal gesagt werden.

Verlieren Sie nicht Ihren Reisemut, wir tun es auch nicht. www.entdeckertouren.com

Stoa 169 – Polling, Khiva, Madurai oder…

…das Staunen vor Säulen. Endlich ist sie eröffnet, die Säulenhalle von Polling. Und an einem schönen Herbstsonntag stehen die Besucher fast Schlange vor diesem wunderbaren Kunstensemble. Säulenhallen lassen weltweit unseren Mund offenstehen, nicht nur in Polling. Aus allen fünf Kontinenten stammen die namhaften Künstler, denen eine Säulengestaltung angetragen wurde, und so fühlt man sich beim Wandel durch dieses „Heiligtum“ immer wieder auch an Tage erinnert, an denen man fernab von der Heimat durch derart faszinierende Konstrukte schlendern durfte. Griechenland, Indien, Usbekistan…

Stoa 169 ist ein Muss und zwar ein wunderbares Muss, weilt man zwischen Murnau und Weilheim. Ein Kunstensemble, das nicht nur zum Staunen, Nachdenken oder Nörgeln anregt, sondern das den Besucher in andere Welten entführt und in seiner Räumlichkeit, eingebunden in die Natur, ein erwärmendes Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Archaisch modern und natürlich konstruktiv. Selten hat Beton in der Landschaft eine derartige Leichtigkeit erreicht und das Nebeneinander so gegensätzlicher Künstler so unkompliziert und stringent „unter ein Dach“ gebracht. Schön, wenn Kunst auf dem Land in Bayern einmal nicht nur aus Barock besteht. Ein Kunsttempel, der fernen Geistes- und Kunstwelten hier vor unserer Haustür ein fantastisches Forum bietet und einlädt, Grenzen zu überschreiten. Stoa 169 Infos

Staunen erlaubt! die
Meditation in einer klassischen Säulenhalle
Madurai – Minaksi-Tempel
Madurai – Minakshi-Tempel
Besucher – nein, nicht vor der Stoa 169 – sondern vor dem Minakshi-Tempel in Madurai
Juma-Moschee in Khiva/Usbekistan – jede der geschnitzen Säulen ist ein Unikat

Ob man mit Ruhe und Bedacht in…

…diesen Tagen auf die kommenden Monate blicken kann, das liegt auch viel bei einem selbst. In diesen ersten frischeren Tagen, in denen wir schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf den wahrscheinlich nebligen, kalt-feuchten Winter bekommen, blicken viele von uns doch recht sorgenvoll in die Zukunft. Steigende Fallzahlen, wirre Dispute, das ständige Hin und Her von Regeln und Verordnungen, die innere Müdigkeit, dies alles und so manches mehr trägt dazu bei, dass wir uns alle so langsam nicht nur eingeschränkt, sondern auch ausgelaugt fühlen.

Was also tun, um unser Gleichgewicht zu bewahren? Diese Frage muss jeder für sich entscheiden, auch wenn seine persönliche Entscheidung durchaus mit den Interessen anderer kollidieren kann. So sind nun einmal gesellschaftliche Systeme, besonders unseres. Persönliche Freiheit und gesellschaftliches Interesse sind keine sich ausschließenden Gegensätze, sondern ein Moment unseres demokratischen Alltags. Und wie bei + und – oder Yin und Yang, schwarz und weiß oder heiß und kalt, zählt nicht der einzelne Pol, sondern das gesamte Gemenge. Denn was absolut heiß ist, ist gleichzeitig auch wenig kalt. Das gilt auch für die in den letzten Monaten immer wieder in den Fokus gerückten Grundrechte. Zu den für uns allen so wichtigen und schützenden Grundrechten zählen auch die für alle nötigen Grundpflichten. Ruhe und Bedacht gehören für mich dazu. Wer am lautesten ruft, hat automatisch nicht am meisten Recht. Und so tut es ganz gut, in diesem wenig erfreulichen Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate einmal eine Stimme zu lesen, die sich auf ganz einfache und undogmatische Weise mit der momentanen Situation und den kommenden Wochen auseinandersetzt. Nicht laut, nicht polemisch, sondern nüchtern und sachlich, denn es hilft wenig, immer nur zu jammern. Die Zeit, den Beitrag von Isabella Eckerle in der „Zeit“ zu lesen, sollten wir uns nehmen. „Den Winter noch“ – mag sein, dass es nur noch der Winter ist, mag sein, dass sich die Dinge gänzlich anders entwickeln. Tut nichts zur Sache, denn jetzt stehen die kommenden Monate an, und die wollen wir alle nicht nur gesund, sondern auch froh überstehen. Also raus mit euch an die frische Luft!

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-10/zweite-welle-coronavirus-alltag-treffen-weihnachten-feiern-verhalten

Einfach nur mal, um zu zeigen…

…was so ein Beherbergungsverbot eigentlich bedeutet. Die Liste stammt von der DEHOGA -Sachsen. Nicht aufgelistet sind zudem alle Länder, egal ob EU oder nicht, die nicht beherbergt werden dürfen. Das ist natürlich kein Lockdown, sondern eben ein Lockout. Dass einem da die Galle hochkommt… aber das ist ja nichts neues, wie uns die Wutrede von Kurt Tucholsky zeigt. Meidet Bayern – auch eine Option.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/kurt-tucholsky-bayern-wutrede-1.5071898

Nein, nicht Corona, sondern…

… einfach nur eine geschlossene Wolkendecke ist schuld daran, dass der Mars nicht zu sehen war. Immerhin steht er heute in direkter Oposition zur Sonne, leuchtet deswegen besonders rot und ist so nah an der Erde, wie erst in 37 Jahren wieder. Da hab ich mal kurz nachgerechnet und festgestellt, dass es doch ziemlich unwahrscheinlich wäre, ihn noch einmal so nah zu sehen. Auf der anderen Seite – vielleicht klappt’s ja morgen oder übermorgen oder gar in drei Tagen. Bei Entfernungen, die in Lichtjahren gerechnet werden, sollten ein, zwei Tage nichts ausmachen. Denkt man, wird man sehen.

Ein Beispiel von wirrem Durcheinander und…

… und Dynamik. Heute sollte eigentlich unsere Reise in den Bayerwald starten. 50 Jahre Nationalpark – fünf Jahre Entdeckertouren. Ein sehr schönes Programm mit viel Natur, dem Falkenstein, Rachel und Lusen, Nationalpark-Rangern und so manchem mehr. Aber die Zeiten sind nicht normal und drunter und drüber ist allüberall präsent in diesen Coronatagen. Tja und dann kommt´s eben so. Alle sind in heller Vorfreude, dass wenigstens diese Reise stattfinden kann. Aber hoppla, denn vier Bezirke in Berlin sind plötzlich Risikogebiet mit Beherbergungsverbot in Bayern. Ok, aber ein Teil der Berliner Gäste kommt eben aus keinem der vier Gebiete. Die amtliche Verfügung und Liste der Risikogebiete der Bayerischen Regierung ist im Amtsblatt bis 14.10. festgesetzt. Donnerstag Abend steht der Landkreis Regen und damit unser Standort auf der Kippe zum Risikogebiet, das Frühwarnsystem greift, erste Corona-Maßnahmen werden erlassen. Aus Frankfurt sind Teilnehmer gemeldet, aber Frankfurt ist ebenfalls auf der Kippe zum Risikogebiet. Die Teilnehmer aber sind mit Wohnsitz und langem Aufenthalt in München, sie könnten also anreisen. Who knows? Am Freitag morgen ist gesamt Berlin Risikogebiet. Gut, dass wir, vorbildlich am Amtsblatt und an Dehoga orientiert, kurz zuvor den Teilnehmern aus Berlin versichert haben, dass ihr Bezirk ok ist (große Freude) und dass Frankfurt/München ebenfalls kein Thema sein sollte. Aber plötzlich ist der 14.10. kein Thema mehr, denn gleichsam über Nacht wird die Verfügung gekippt, der 14. 10. ist aufgehoben. Gesamt Berlin ist Risikogebiet, Berlin darf nicht kommen. Frust!!!! Wo bleibt die Reisefreiheit? Dann also mit einer verkleinerten Restgruppe? Auch nicht schön. Jetzt ist Samstag morgen, die restlichen Teilnehmer würden aber doch gerne anreisen, ihr Infostand ist noch vom Freitag. Leider jedoch ist aber inzwischen Samstag morgen, und der Landkreis Regen und damit unser Standort hat die magische 50er Inzidenz-Marke deutlich überschritten. Ok, jetzt ist es inzwischen schon fast egal, am Samstag späten Nachmittag, sage ich nach kurzen Telefonaten zwischen Zwiesel und München die ganze Reise ab. Es geht nicht und es ist damit die elfte von elf Reisen in diesem Jahr. Heute, Montag, morgen ist München über die 50er-Marke gesprungen. Zwar heißt es, dass Bayern innerhalb Bayerns trotzdem beherbergt werden dürfen, aber hätte das auch für Frankfurtbayern gegolten und was ist, wenn der Zielort ein Risikogebiet ist? Müssen die Teilnehmer einer innerdeutschen Reise dann zuhause in Quarantäne? Wohl ja. Müssten wir als Veranstalter gar noch die ausgefallenen Lohnkosten tragen? Geht´s noch? Die Entscheidung abzusagen, ist absolut richtig. Aber alles ist ein so heil- und planloses Chaos. Wenn keiner den Weg weiß, kann bekanntlich jeder führen.

Beherbergungsverbot – also nichts mit Lusen, Rachel, Falkenstein. Der gesamte Planungsaufwand ist zum Teufel, die Werbekosten, die letzten Tage, die bestimmt waren von Inzidenzmarken und Amtsblattlektüre, von endlosen Gesprächen mit den Kunden, unserem Gastgeber und unseren internen Abstimmungen und Wasserstandsmeldungen. Großer Frust bei den Kunden, Wochenende versch…, Partner vor Ort gefrustet, die blockierten Zimmer waren für die Katz, Ausfall, Mietwagen zurückgegeben, Storno bezahlt, den Rangern abgesagt, die kommende Woche umorganisiert und…und…und… Inzwischen haben wir schon Übung in diesen Dingen, aber so ganz läppisch ist das alles nicht mehr.

Um eines klarzustellen, ich bin der Ansicht, dass wir auf veränderte Situationen reagieren müssen und dass wir als Veranstalter, aber auch als Kunden, in Zukunft alle flexibler agieren sollten. Das erfordert die Situation, vor allem wenn wir verantwortungsbewusst die Lage meistern wollen. Das tun wir auch durch die Bank alle gerne und wir alle sind erprobt in schwierigen Situationen und haben auch eine Ahnung von verantwortungsbewusstem Reisen. Unsere Kunden bei den Entdeckertouren haben in diesem Jahr großes Verständnis und große Geduld bewiesen und uns deutlich gezeigt, wie sehr sie unsere Arbeit schätzen. Das weiß ich mehr als zu würdigen und ich bin ihnen dafür auch sehr verbunden. Diesem Durcheinander und dieser Dynamik jedoch etwas entgegenzusetzen, ist schier nicht möglich. Da hilft auch keine buddhistische Ruhe und Kontemplation.