Allen Wetterkapriolen…

…zum Trotz und weil es der kälteste April seit 2003 war und weil der Mai auch nicht viel besser ist: zumindest dieser „Blauregen“ spendet dann doch etwas südliches Frühlingsfeeling.

Irgendwie kommt mir das …

…alles ein bisserl indisch oder nepalisch vor. Das Reittier Shivas ist Nandi, der Bulle, und dieser kniet andächtig vor seinem Herrn, dem mächtigen hinduistischen Gott Shiva, der oftmals und gerne als Phallus (lingam) dargestellt wird. Augenreiben. Dabei bin ich doch in Oberbayern und nicht im Himalaya. Tja, Ferne Nähe Heimat…

Vielleicht hat Manjushri…

… in Bhutan mit dem Schwert der Weisheit die Wolken der Dummheit und Selbstgefälligkeit als erstes durschnitten. Scheint so, denn das Königreich im Himalaya hat inzwischen eine Durchimpfung von über 62%. Wer einmal in Bhutan war, weiß was das heißen mag, in einem Land, in dem es fast keine Straßen gibt, 80 Prozent des Landes über 2000 Meter liegen, das durchschnittliche pro Kopf Einkommen bei rund 9000$ (Starnberg 42100$) und die Bevölkerungsdichte bei 20 Einwohner pro Quadratkilometer. Natürlich ist bei uns alles viel komplexer und schwieriger. Vielleicht auch nicht. Aber ganz vielleicht hat der Bodhisattva Manjushri etwas Zeit und packt sein Schwert ein und fliegt mal kurz rüber zu uns. Schaden würd es nicht.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bhutan-mit-corona-impfungen-auf-der-weltrangliste-ganz-oben-17303291.html

Ist das Schiff halbleer …

…oder halbvoll? Gerettet oder am Untergehen? Verlassen und dem Untergang geweiht? Es ist ein tolles Boot, handwerklich und ästhetisch ein Schmuckstück, etwas ganz besonderes. Nicht neumodisch und hip, sondern gediegen würdig, kunstfertig und kunstvoll. Auch wenn es gerade voll Wasser gelaufen ist, der Besitzer ist sicherlich stolz auf sein Schiff und für ihn ist es überhaupt keine Frage, was mit dem Boot passiert. Hand anlegen, zupacken, fit machen und dann wieder raus damit aufs (und nicht unters) Wasser. Ein symbolträchtiges Luxusproblem im gesellschaftlich und wirtschaftlich satten Norden. In vielen anderen Ländern würden die Menschen beim Anblick eines solchen Bootes in Tränen ausbrechen. Nicht weil sie gerne so ein Boot hätten oder gar weil das Boot dahin ist, sondern weil wahrscheinlich einige Freunde oder Verwandte darin zusammengepfercht waren und irgendwo zwischen Süd und Nord damit Schiffbruch erlitten hatten. Ob sich diese Leute auch wirklich Gedanken machen konnten, ob sie nun Tangueray, Bombay Saphire oder Hendricks für ihren Gin Tonic wählen, oder sich gar zwischen AstraZeneca, Biontech oder Moderna entscheiden müssen? Wohl eher nicht. So langsam wird´s schon ziemlich unangenehm gesättigt in unseren Breitengraden. Aber vielleicht will mir ja das Universum ein Zeichen geben, denn es ist die Aufnahme 7777 auf meinem Handy. Man weiß ja nie, wo die Erleuchtung lauert.

Andechs, Nietzsche und die Fotografie

Heute ist ein besonderer Tag, denn ich hatte es schon immer vermutet: Kloster Andechs gibt es nicht. Oder anders gesagt, ist wirklich alles wirklich, was wir sehen. Wir glauben ja, dass das, was wir sehen auch wirklich ist und das, was wir fotografieren, auch die Wahrheit. Diese Wahrheit sagt mir heute, Andechs gibt es nicht, denn ich kann es ja nicht sehen. All die anderen Male, an denen ich hier Andechs gesehen habe, waren es eine Fatamorgana, Einbildung, Ideen oder eine andere Wahrheit. Was ich nicht sehe, ist auch nicht. Aber ich glaube, genau an dieser Stelle, Andechs gibt es doch. Da hilft mir auch nicht Nietzsche mit seinem Bonmont „Glaube heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist“. Ich sehe nichts und deswegen ist es nicht da…seh ich nicht=ist nicht.

Aber wer der Wahrheit auf die Spur kommen will, muss sich bemühen und über sich, oder in diesem Fall über seinen Standpunkt, hinausgehen, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Wenn man vorwärts geht, dann sieht man manchmal klarer und wahrer und so mancher Nebel lichtet sich. Also gibt es Andechs doch. Das bloße Glauben hätte wenig genützt. Sich selbst ein Bild machen hilft dann doch bisweilen deutlich weiter. Also aufpassen, wem man glaubt.

Wir meinen oder glauben gerne, dass nur das, was wir sehen, wirkliche Wirklichkeit ist. Gerade eben, weil wir es sehen. Es ist gleichsam der Beweis. Und zudem denken wir gerne, dass das Sehen oder ein Foto keine Spuren hinterlässt. Dabei sehen wir vor allem leider nur das, was wir sehen wollen. Und vergessen dabei, dass wir ja nur selektiv und in Ausschnitten sehen. Es sind klitzekleine Momente, Punktaufnahmen. Unsere Bilder – sei es nun im Kopf oder im Foto – spiegeln deswegen nicht die Realität, sondern interpretieren sie. Zudem sind wir oft genug der Meinung, dass wir lediglich nur sehen, nicht agieren, und damit keine Spuren hinterlassen. Dabei hinterlässt die Interpretation der Punktaufnahme ja schon Spuren genug. Wie man sieht sehe ich das mit den Spuren anders. Hier der Beweis.

Wie wichtig Bilder sind und das Sehen und ihre Wirkung- heute in der Süddeutschen Zeitung dazu absolut lesenswert https://www.sueddeutsche.de/kultur/coronavirus-fotografie-tote-1.5237063?reduced=true