
Der Tempel der Gutmenschen in…
… Herrsching ist sicherlich die „Biowelt“. Hier kaufen sie alle ein, die anders sind, die besser sind, die umsichtiger sind, die nachhaltiger sind, die bewusster sind, die ökologischer sind, die grüner sind, die keinen Verpackungswahnsinn mitmachen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad mit Packtaschen kommen, die von Corona nichts wissen wollen und die den deep state aufzudecken wissen, die gegen die Mobilfunkmasten kämpfen und die beim Heckenschneiden darauf achten, dass die Elflein nicht aufgescheucht werden. Eben einfach alle Guten.
Und dann so ein Schild am Eingang! Am Hohen Tempel! Und das in einem der wohlhabendsten Landkreise Deutschlands! Also hab ich mich mit dem Ladenmann unterhalten, der sich etwas wand, dann aber erklärte, dass es im letzten Jahr einen signifikanten und spürbaren Anstieg an Fehlbestand gegeben hätte. Dass dies sich nicht auf ein bestimmten Produktkreis (z.B. Wein oder Bioschokolade) beschränke und dass die Tendenz kontinuierlich ansteigend sei. Irgendwie wisse man sich ja auch nicht mehr zu helfen. Zumal gut 80% der Kunden Stammkunden seien. Nun ja, man habe mal ein paar Jugendliche auf der Kamera erwischt, die den Laden zügig über den Lieferanteneingang verlassen hätten, aber das erkläre eben nicht den Fehlbestand. Also man wisse auch nicht und fühle sich auch nicht wohl dabei, so ein Schild aufstellen zu wollen oder zu müssen, aber …
…aber wahrscheinlich ist es so, wie überall in der Welt. Wenn auf der Insel etwas geklaut wurde, dann waren es die vom Festland und auf dem Festland waren es die von der Insel. Im entlegenen Gebirgstal waren es die vom Nachbartal und in der Wüste die vom anderen Stamm. Und wahrscheinlich sind es in Herrsching eben die anderen 20 Prozent, die mit dem Auto – oder noch schlimmer – aus München mit der S-Bahn kommen, eben keine Gutmenschen.
Ich bin immer wieder in Leipzig, eher in einem problematischen Viertel, in dem der Einkommensschnitt und der Altersschnitt gänzlich anders aufgestellt sind als in Herrsching. Hier sind in meiner alltäglichen Laufnähe mindestens vier Biomärkte, alle ohne Schilder. Und das, bei dem schmalen Budget der meisten Kunden. Aber wie gesagt, wahrscheinlich sind es in Herrsching die von der Insel…
Defensive Architektur…
…klingt zunächst einmal ganz nett. Verteidigt die Architektur den Menschen, mal was ganz Neues? Ich sitz da gegenüber dem guten Beethoven im MdBK in Leipzig auf einer stinknormalen Parkbank und denk mir, wie entspannt der gute Meister da doch sitzt. Da fällt mir an der stinknormalen Parkbank ein kleines Schild auf, das mich darauf aufmerksam macht, das das Hinsetzen gewünscht, aber die Parkbank ein Kunstobjekt sei. Also schnell mal gelesen, was da so steht:
Die Bank als soziale Botschaft / A bench as a social message
Federico Matteoli
Eine Intervention des / An intervention by MdbK [next;raum] #03
Diese Bank ist eine typische Parkbank, wie man sie in älteren Parks, z. B. im Johannapark oder im Mariannenpark findet. Sie ist eine Leihgabe des Amtes für Stadtgün und Gewässer der Stadt Leipzig. Eine so einladende Sitzgelegenheit ist nicht selbstverständlich – diese Bank ist das Gegenteil menschenfeindlicher Architektur. Menschenfeindliche Architektur (auch defensive Architektur) bezeichnet die strategische Gestaltung öffentlicher Räume, mit dem Ziel, bestimmte Personengruppen oder Verhaltensweisen auszuschließen. Metallstifte, Noppen, unebene Flächen, Bänke mit Armlehnen, Zäune und Barrieren, aber auch Sprinkleranlagen, akustische Maßnahmen oder helles Licht sind Beispiele einer Stadtplanung, die Menschen verdrängt. Was wie eine funktionale Designentscheidung wirkt, trägt eine Botschaft: Nicht alle sind im öffentlichen Raum willkommen. Besonders betroffen sind wohnungslose Menschen, die auf Orte zum Existieren tagsüber und nachts angewiesen sind. So wird Architektur zum Instrument der Kontrolle – sie ordnet, wie man sich im Raum bewegen und aufhalten darf. Gleichzeitig bleibt diese stille Ausgrenzung meist unsichtbar für jene, die nicht betroffen sind.
Dieser QR-Code führt zur Internetseite defensivearchitektur.org. Hier werden Beispiele defensiver Architektur in ganz Deutschland gesammelt und kartiert. Ziel ist es, feindliche Architektur sichtbar zu machen und Lösungen für eine einladende Stadtgestaltung zu entwickeln. defensivearchitektur.org
Mal wieder was dazu gelernt. 500 Meter weiter sitzt das Sandmännchen auf einer Parkbank am Weihnachtsmarkt und hebt den Arm, damit man sich dazu setzt. Wohl nicht im Sinne des Erfinders. Defensive Architektur, na dann frohe Weihnachten…
Ein paar Newtonmeter…
Irgendwie drollig…
Lake Ammer: view…
DIMU – die…
View of the day…
Der Vogel…

…des Glücks fliegt in sechs, sieben großen Formationen über den Ammersee in den Abendhimmel. Am nächsten Abend kommt wieder eine Staffel. Man hört sie, bevor man sie sieht. Oder besser, man sieht sie, weil man sie hört. Wer sie einmal im Norden an einem ihrer Sammelplätze gesehen hat, versteht, warum Kraniche in Asien als Glücksvögel gelten. Sie sind nicht nur graziös, sondern auch sehr sozial. Und dass bei der momentanen katastrophalen Situation der Vogelgrippe keiner von ihnen vom Himmel gefallen ist, ist auch ein großes Glück. Doppelglück sozusagen. Und weil sie so weit oben fliegen, sieht man sie am Foto nicht. Das Glück ist eben manchmal unsichtbar und schwer zu fassen…














