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The last rose of summer…
Der Riese Kalevipoeg…
…gehört zu den vielen Sagengestalten in Estland. Da der Teufel hinter im her war, hat er einfach ein paar Tausend Findlinge nach dem Teufelskerl geworfen. Dunkle Wälder, dunkle Geschichten. Das ist zumindest die eine Erklärung für das größte Findlingsfeld in Estland. Hunderte großer Findlinge transportierte vor etwa 12000 Jahren das Gletschereis hierher an die Küste im Lahemaa-Nationalpark. Das ist die andere und wahrscheinlichere Erklärung.
Die Saison ist vorbei, der Sommer klingt aus, das Kapitäns- und gleichzeitig als Witwendorf bekannte Käsmu bereitet sich für den Winterschlaf vor. Es ist ein ruhiges und beschauliches Reisen dieser Tage. Vor allem hier im Nationalpark, wo auch ein Spaziergang über die Hochmoore, wie etwa Viru Bog mit seinem schwarz-bläulichen Moorwasser nicht fehlen darf.
Und da der Tag ja irgendwie gut ausklingen soll, gibt es heute Tartar vom Elch – wie fein ist das denn…
Changing luggage…
…in Herrsching, Bayern, und viereinhalb Stunden Schlaf. Ich tausche den Osprey-Rucksack von Traudi (1000 tak) gegen meinen Northface-Kofferchen, Trekking gegen Gourmet, Land gegen Stadt und bin trotzdem hundemüde. Trondheim-Oslo-München-S-Baaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahn…
Dafür warten abends Pelmeni mit Garnelen und Hirschmedallions mit Selleriemus und Dessertwein von schwarzen Johannisbeeren im feinen Restaurant Tschaikowsky in Tallinn…Auch die nächsten Tage werden anstrengend, nur eben ganz anders. Gut, dass der Heilige Olav weiterhin meine Weg begleitet – ich wohne im Hotel St. Olav.
Secrets of Trondheim…
..die Geheimnisse von Trondheim an einem langen Vormittag. Irgendwie ist Trondheim wie München am Fjord. Ein bisserl Stadt, aber auch ganz viel Dorf. Immerhin habe ich heute eine Person fünfmal an verschiedensten Orten in der Stadt gesehen. Am Dom, beim Juwelier, in der Fussgängerzone, am Hotel und im Flughafen…
…aber jetzt zu den spannenden Dingen. Ein toller langer Vormittag mit einem Wahnsinnswetter. Wir fliegen zurück von Norden gen Süden in die Kälte und in den Regen. Muss man sich mal geben!
Der Nidarosdom, die Brücke, das Bakkalandet-Viertel, der Hafen – alles erste Sahne.
Was wirklich auch ziemlich stark ist, sind die Free Fridge, die offenen Kühlschränke an der Strasse,min die man übriges Essen legen und sich auch bedienen kann. Foodsharing statt Wegschmeißen.
Überhaupt hat mich Trondheim wieder mit dem Essen versöhnt. Es gibt sie doch, die gute Küche des Nordens, wie hier etwa im Restaurant Canasta bei Lachs, gegart bei 32 Grad mit Muschelschaum. Es ist doch nicht alles Plastik!
Und dann ist natürlich noch „angry Bob“, der Dylan, den in den Sechziger Jahren die Steinmetze als Erzengel Michael aus Protest gegen den Vietnamkrieg dem Dom aufs Dach gestellt haben. Man hatte bei der Restauration einfach dem Erzengel das Antlitz Bob Dylan gegeben, der damals noch Protestsänger war und noch nicht die „Never Ending Tour“ zelebriert hat. Heute wäre es doch der Ehre zu viel für Bob. Überhaupt schade, dass es heute schon wieder zurück geht. Sonst wäre ich heute Abend noch auf einen Sprung über die Brücke in die Kneipe gegangen und hätte dort beim Karaoke „Blowing in the wind“ geträllert…
Goodbye Norway und takk, takk, takk!
Der Weg zum Fjord…
…beginnt mit dem Besuch der Kirche in Skaun und man sollte die Option, dass eine Kirche in Norwegen einmal geöffnet ist, wahrnehmen. Denn das ist nicht selbstverständlich. Es ist eines der vielen uralten Kirchlein mit mächtigen Mauern und schlichter Schönheit. Hier in Skaun, einem Ort, an dem der normale Norwegenbesucher wohl kaum vorbeikommen würde, gibt es einen original erhaltenen und nicht restaurierten Altarsockel aus dem 12. Jahrhundert. Und links und rechts vom Eingang zwei kleine Kammern. Das waren die Waffenkammern, denn in die Kirche durfte man sinnergweise nur unbewaffnet, was den wehrhaften Wikingerrecken sicherlich schwergefallen sein dürfte.
…führt natürlich erst einmal durch den Wald. Und zwar bergauf, und das ganz schön lange. Schon komisch, zum Meer aufzusteigen. Aber dann kommt er doch noch, der Abstieg, und unvermittel liegt dann der Fjord um die Ecke. Im Wald mache ich mir aber auch so meine Gedanken, warum die so naturverbundenen Norweger so viel Müll essen. Die Supermärkte sind voll mit Plastikessen, es gibt keine Bäcker, keine Metzger, keinen Milchladen. Da könnte man fast auf den Gedanken kommen, sich selbst zu versorgen. Preiselbeeren gibts jedenfalls genug.
Bei den Pilzen sollte man sich schon auskennen, ob Steinpilz Gallenröhrling, Panterpilz, Birkenpilz, Maronen oder was auch sonst. Sonst kann es auch ungemütlich werden! Eine Möglichkeit der Ersten Hilfe wäre dann die direkte Beatmung und Wiederbelebung mit dem Schuhtrockner. Dieses Gerät liebt man in Norwegen und ich denke, bei dem vielen Regen und Sumpfland macht es Sinn. Vor allem auch im Winter!
Aber dann kommt er doch der Fjord und das mit voller Wucht. Ohne Worte!
Gnadenhof – der Hof der alten Opel…
…hier in Segard Hol steht einfach ein 1962er Opel Coupe so rum. Dazu ein 63er, 65er, ein Opelkrankenwagen, dazu noch ein paar andere motorisierte Opel-Schüsseln, auch ein Kadett, alle altbetagt und etwas angegriffen, aber alle fahrbereit. Beim Coupe steckt sogar der Schlüssel. Heute abend sitzen wir im erlesenen Pilgerkreis im alten Hoftrakt aus dem Jahre 1650 und blicken über die Veranda auf den abendlichen Regen. Und das Coupe. Ist schon spassig, wo man manchmal landet, wenn man pilgert. Herr Add aus Å, der Hausherr von Segard Hol und Chef vom Coop, ist dann ohne größeres Trara den ganzen Abend noch mit uns durch die Wälder gebraust, leider nicht mit einem Opel, um auf Elkwatching zu gehen. Ich hatte ihn einfach nur gefragt, ob es hier Elche gibt. Na ja, war erfolglos, aber lustig. Manchmal denke ich mir, ich hätte nicht so viele Skandinavienkrimis lesen sollen. Aber dann passt’s immer wieder ganz fein. Überhaupt sind die Norweger ein ganz spaßiges Völkchen. Es dauert zwar immer etwas, bis sie auf Touren kommen und man selbst braucht auch seine Zeit, bis man den fein zisselierten Humor entdeckt. Aber dann wird’s manchmal wirklich richtig lustig. Auch ohne Alkohol.
Aber ich bin ja hier, um dem Olavsweg etwas nachzuspüren und heute habe ich die kommenden Herbstfarben entdeckt. Hier oben ist man ja der Zeit, bzw. der Jahreszeit etwas voraus und es dauert wirklich nur noch ein paar Tage, bis die Wälder in herbstlichen
Farben leuchten. Die Birken fangen gerade mit dem Farbwechsel an. Also hier ein Herbstgruß aus Skaun – den Skaun ist ein Traum…






































