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Kommentar
5.12. Der lange Weg nach…
… Kushinagar, dort wo Budha starb und verbrannt wurde, ist wirklich ein Pilgerweg mit Ruckelbuße und Schütteltrauma. Wieder sind es gute sechs Stunden über Land und ein erster Höhepunkt ist eine religiöse Demonstration von Hindufrauen, in die wir uns einreihen. Weniger weil wir für ihre Sache kämpfen als deswegen, dass der Bus steckengeblieben ist und wir ein paar Schritte laufen wollen. Aber irgendwie und irgendwann kommt man doch an und die Begegnung im Tempel mit der sechs Meter langen, goldbedeckten Figur des sterbenden Buddha birgt viel Atmosphäre. Die Pilger haben neue Tücher für den Buddha mitgebracht, Ketten und Amulette werden geweiht, alles villzieht sich unaufdringlich und trotzdem mit tiefer Gläubigkeit. Auch wenn es nur kurze Momente auf dieser Reise sind, sie entbehren nicht einer tiefen Bewegtheit. Es hat Stil und ist eben eine Pilgerreise. An der wir zwar nicht so teilnehmen, die wir aber mit Aufmerksamkeit beobachten. Tja und zu unsrem Hotel, da meinet der Guide nur: „ Sorry Sir, here we are in remote area“. Aber deswegen sind wir ja da. Und wir waren die einzigen. In Sravasthi und in Kushinagar, die nicht aus einem buddhistisch-asiatischen Land diese Mühen auf sich genommen haben.
4.12. Over the borderline…
…man könnte fast meinen, wer in Sunauli über die Grenze geht, ist wirklich ein Borderliner. Abenteuerlich und wild dürfte gar kein Ausdruck sein und bräuchte man am Ende bei der Ausreise nicht den Einreisestempel, dann könnte man sich die Prozedur schenken. Denn Interesse an irgendeiner grenzkontrollierenden Tätigkeit hatten weder die nepalischen noch die indischen Grenzbeamten gezeigt. Wichtig war das Ausfüllen von Papieren und das Anhäufen eines sichtbaren Arbeitsberg von ausgefüllten immigration cards. Das Grenzbüro ist filmreif heruntergekommen und Indiana Jones hätte seine wahre Freude. Der letzte Anstrich dürfte vor Mahatma Gandi getätigt worden sein. Nun gut, weiter über übelste Ruckelpisten durch das Outback von Indien. Wer jemals behauptet, Indien wäre auf dem Sprung in ein modernes Zeitalter und eine führende Wirtschafts- und IT-Nation, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Weg nach Sravasti ist ein ländlicher Film aus den 20er Jahren und würden zwischen all den Ochsenkarren nicht immer wieder die Zuckerrohrlaster auf der Straße rumdonnern, könnte es auch noch einmal 50 Jahre zurück gedeutet werden.
Sravasti und der heilige Bodhibaum des Ananda – nach sechsstündiger Ruckelfahrt ist es eine Wohltat, ein paar Schritte zu laufen und an den stark duftenden Rosen der burmesischen Pilger innezuhalten. Diese Rosen duften noch – ob mit oder ohne künstliche Aromastoffe sei dahingestellt. 25 Regenzeiten verbrachte Buddha hier und irgendwie spürt man den Geist dieser 25 Winter und alle sind ganz zufrieden und aufgeräumt beim Spaziergang durch den Buddhapark. Im Hotel sind wir wieder unter der großen Schar der burmesischen Pilger und der Kommentar unsres Guides zum Thema Internet: „No Sir, here we are in remote area“.Das sagt alles und morgen wird’s ebenso sein.
3.12. Goin´up the country…
… knapp zwanzig Kilometer von Lumbini entfernt liegt der Palast Kapilavasthu. Na ja, vom Palast, in dem Buddha 29 Jahre lebte, ist nicht mehr viel zu sehen, und dennoch, es ist ein stimmungsvolle und netter Vormittag. Die Mischung aus den Buddhageschichten von Martin Grimm (Inselverlag Leipzig 1967), dem Badepool des Buddha und dem alltäglichen Dorfleben ergeben eine stimmige Kombination. Nicht schlecht, wenn einem bei so einem schönen Vormittag ein Licht aufgeht, und wenn es nur die improvisierte Straßenleuchte á la Nepal ist. Da mehrere solcher Stromkabel einfach von den Leitungen hängen, liegt der Verdacht nahe, dass man hier so manchen Abend einfach ein bisserl Licht abzapft. Hoffentlich lassen sich die Leute nicht dabei erwischen oder bekommen gar einen satten Stromschlag. Dass die Schulkinder ihre Finger davon lassen und lieber mit dem klapprigen Radl gen Schule ruckeln, ist gut so.
2.12. Wunschgöttin statt Weihnachtsplätzchen…
… in Manakamana, dem Altötting Nepals. Nach einen entspannten Abend in der River Lodge an „der Biegung des Großen Flusses“ und heute einer wunderschönen Morgenwanderung ging´s mit der Seilbahn „made in Austria“ zum Tempel der Wunschgöttin in Manakamana. Für Nepali bedeutet das mehrere Stunden Anstehen, wir durften vielleicht auch wegen der dreifach höheren Ticketpreises einfach uns ein bisserl vordrängen. Aber nur am Weg nach oben! Am Tempel dann ließ uns lange Zeit der Blick auf den Manaslu nicht los, dann natürlich auch Geschichten und Rituale rund um den Tempel. Der Wechsel nach Lumbini in vierstündiger Fahrt war weniger stressig als sonst und der Sonnenuntergang am japanischen Stupa ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage.
1.12. Keine Anzeichen von Weichnachtsstress…
…ein atemraubender Morgen noch einmal in Lakhuri – heute zeigt sch sogar der Manaslu ganz und in voller Pracht. Wir sehen vom Hotelgarten aus zwei Achttausender, eigentlich ein Weihnachtsgeschenk per se. In Bodnath treffen wir uns mit den Ofenmachern und schmieden neue Pläne für ein Projekt Nachhaltiges Reisen im Kumbhu. So langsam nehmen diese Themen Form an und ehrlich gesagt, es ist mehr als Zeit, dass sich hier beim Reisen etwas verändert. Das Interesse, sowohl dieses Mal als auch bei der letzten Tour zeigt, dass diese inputs richtig sind. Abends in der River Lodge bleibt Zeit, sich auszutauschen und hu diskutieren. Und weil alles so stimmig ist und der Mond in silbrig glänzendem Bogen sein Licht auf den Trislui River wirft, kommen bei den Damen Erinnerungen an Robert Redford und out of Africa. Trotzdem – wir sind in Nepal und von Weihnachten nimmt bis dato keiner so wirklich Notiz. Das Wort Weihnachten fällt nur im Zusammenhang mit all den üppigst blühenden Büschen von Weihnachtssternen.
30.11. Ein langer Weg..
…nach Namobuddha ist es, aber ein Weg, der sich lohnt. Zunächst einmal die fantastische Wanderung von Lakhuri entlang dem Höhenzug nach Manidoban, dann die Rumpelfahrt mit dem Jeep nach Panauti. Hier hinten, ein Tal weiter, ist es eine andere Welt. Es ist viel ruhiger und beschaulicher als im Kathmandutal. Es ist eine ruhige und bäuerliche Welt, die Felder sind momentan bis auf den Raps abgeerntet und alles wirkt irgendwie im Lot. Nicht dass es Überfluss und Luxus wäre, weit gefehlt, aber die Menschen denen wir begegnen, sind gut aufgelegt und wirken oft aufgeräumter und zufriedener vielleicht als bei einer ähnlichen Tour zuhause. Die Fahrt nach Namobuddha übertrifft alle Erwartungen: sowohl was die Rumpelstrecke anbelangt als auch das Erlebnis. Es sind die schönsten wehenden Gebetsfahnen, die ich im ganzen Himalaya kenne.
29.11. Der Sex-Appeal einer Wärmflasche…
… ist zugegeben nicht besonders hoch, aber in diesem Fall hat er doch etwas. Also fällt es leichter, noch ein paar kurze Inputs zu geben, wenn es unter der Decke nicht eisig feucht und klamm ist. Erstaunlich ist immer wieder auf den Reisen der Faktor Zeit. Oft sind es nur ein paar Minuten und Sekunden, um an einem Ort anzukommen und die Atmosphäre aufzunehmen. Begegnen statt Besichtigen ist sicherlich en wichtiger Punkt. Deswegen war es heute etwas ruhiger, entspannter, mit mehr Luft zum „atmen“. Und wenn es nur ein paar Fotos sind, die man eigentlich machen wollte.
Changu Narayan voller Schulkinder wird dann zu einem schönen Erlebnis und Zeit zu haben, um in Ruhe ein paar Briefkuverts in einer Papiermanufaktur auszusuchen, macht den Tag rund. Insgesamt also war es trotz morgendlich klammer Frische doch ein mehr als schöner Tag, und jeder für sich hat heute so viele Eindrücke gesammelt. Vom abgelegenen Shivaheiligtum, von der beruhigenden Stille der bäuerlichen Landschaft, von der filigranen Schönheit der Newararchitektur – Nepal ist einfach ein Platz zum Heimkommen und Ankommen. Und jeder entdeckt doch immer wieder etwas Neuer, auch wenn er schon oft hier war. Das ist vielleicht der Unterschied.














